Ralf Albensoeder 1 218x300Tagebucheintrag von Ralf Albensoeder
Pastoralreferent in St. Markus

Warten – der Tagebucheintrag von Rolf Müller gestern.
Lieber Rolf, Du hast mit zwei Stichworte gegeben, die mich den heutigen Tag begleiteten: Geduld und Ungeduld.
Geduld fiel und fällt mir oft auch dann schwer, wenn ich sicher weiß, dass das Ereignis kommt. Wie ungeduldig war ich als Kind trotzdem, bis Weihnachten da war mit der Bescherung. Wie ungeduldig als ich auf die Geburt unserer Kinder warten musste…

Und jetzt – es gibt kein definiertes Ende. Ich bin oft ungeduldig heute, wieder das gewohnte Leben führen zu können, mit Freunden, ohne Angst vor einer unheimlichen Krankheit. Wie ungeduldig warte ich auf bessere Nachrichten aus Italien, aus den USA aus den afrikanischen Ländern, aus Deutschland……
Die Ungewissheit, eben kein Wissen zu haben, ist voller Schrecken. Da nützt schönes Wetter nur sehr geschränkt. Ungeduld – und ich kann nichts ändern. Nichts geschieht früher oder besser, nur weil ich es ersehne in diesen Zeiten.
Und Ungeduld hat auch einen tiefen Schatten – die Aggression. „Sei nicht so ungeduldig“ ist oft genug der Hinweis – sei nicht so aggressiv. Ungeduld kann mich - nicht zum Guten – verändern.

Und dann fällt mir ein welche Geduld eigentlich Gott mit uns hat, mit welcher Geduld in diesen Tagen Kranke versorgt werden, Kinder zu Hause beschäftigt werden (auch wenn es manchmal, Gott sei geklagt nicht so ist): dann ist Geduld das Gegenteil von Resignation.

So heißt es im Jakobusbrief: „Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt. Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, (man darf auch sagen „Geduld“, d. V.) dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf.“ (Jak 1,3-5)

In dem berühmten Buch „Momo“ von Michael Ende gibt Beppo, der Straßenkehrer ein berühmtes Beispiel für Geduld, die das Gegenteil von Resignation ist.
"Siehst du, Momo", sagte er dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten." Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."
Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: "Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste." Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: "Das ist wichtig." (Michael Ende)

Das wünsche ich uns allen, in Geduld die Stunden und Tage anzugehen - wider der Resignation - vielleicht auch mit dem Gebet in den Gedanken:

Lass mich in Geduld das hinnehmen, was ich nicht ändern kann.
Herr, gib mir den Mut und die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und schenke mit die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Eine Bitte: Nicht alle unserer Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei. Vielen Dank!