Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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von Rolf Müller

 

 

Den „Turn – around“ schaffen

Viele spüren es intuitiv: So wie vorher kann es nach der Corona – Krise eigentlich nicht weiter gehen. Ich hoffe sehr, dass viele Menschen, unsere Gesellschaft, unsere Kirche und auch ich selbst nach einer hoffentlich baldigen Bewältigung dieser Pandemie einen „Turn – around“ schaffen. Denn so sagt man das heute, wenn man Veränderungen meint.
Beispiele für einen nötigen „Turn – around“ fallen mir genügend ein. Wir selbst brauchen einen „Turn – around“ in unserem Umgang miteinander. Es war oft schön in den letzten Monaten zu bemerken, wie sich Menschen um andere gekümmert haben. Unsere Hilfsangebote der Gemeinde zum Einkaufen wurden zum Beispiel kaum in Anspruch genommen, weil sich sehr schnell aktive Nachbarschaften und gute Familien- und Freundesverbindungen gezeigt oder gebildet haben. Das hat gezeigt: Es ist viel möglich, wenn Hilfe tatsächlich gebraucht wird. Ich hoffe sehr, dass diese Achtsamkeit für den Nächsten bestehen bleiben wird!
Wir brauchen einen „Turn – around“ bei der Sorge um die Klimakatastrophe, die sich unübersehbar anbahnt, wenn wir unser Verhalten nicht nachhaltig ändern. Die Pandemie hat gezeigt, zu welchen Maßnahmen wir in Bezug auf unseren Lebensstil fähig sind, wenn es sein muss. Kann uns nicht auch Ähnliches für einen Lebensstil gelingen, der auch zukünftigen Generationen ein Leben in einer intakten Umwelt ermöglicht? Dasselbe trifft auch auf einen Lebensstil zu, der mehr Gerechtigkeit für die Menschen auf der ganzen Welt zum Inhalt hat. Wir müssen immer mehr darauf achten, wer die Verlierer unserer Art zu leben überall sind.
Einen „Turn – around“ braucht auch unsere Kirche dringend. Viel zu oft habe ich in den letzten Monaten gesehen, wo wir als Kirche nicht mehr systemrelevant für viele Menschen sind. Wir müssen (wieder) genau hinschauen, wie wir nahe bei den Menschen sein können, die uns brauchen. Genau das soll uns leiten wenn wir in diesen Tagen anfangen zu überlegen, wie wir unsere neue Großpfarrei gestalten können.
Ich weiß ganz genau: Jeder „Turn – around“ fängt bei mir selbst an. Im Sonntagsevangelium von heute fordert mich Jesus genau dazu auf: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1, 15). Es ist der Satz, der schon bald bei der Austeilung des Aschenkreuzes zu Beginn der „Umkehrzeit“ gesagt wird. Während dieser Zeit der Corona – Krise wird mir besonders klar, wie wichtig diese Aufforderung Jesu ist. Aber Jesus fordert nicht nur auf, er macht auch Mut: „Denn das Reich Gottes ist nahe“. Das heißt für mich: Gott ist nicht weit weg, seine Welt, in der es sich für alle zu leben lohnt, ist auch schon mit ersten kleinen Schritten zu erspüren. „Umkehr“ – das eigentliche Wort für „turn around“ – ist machbar und tut gut!