Katholische Pfarrgemeinde

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Thomas SchmidtWochenwort für den 26.7.2020, Thomas Schmidt, Gallus

 

 

 

Charles de Foucauld: Universelle Geschwisterlichkeit

Vor wenigen Wochen war aus Rom zu hören, dass Charles de Foucauld (1876-1916), ein Franzose, der unter den nordafrikanischen, muslimischen Tuareg gelebt hat, heiliggesprochen wird. Er lebte unter ihnen ohne sie zum Christentum bekehren zu können und zu wollen. Er wollte durch reines Mitleben, durch gezeigte Güte, Gastfreundschaft und Dienstbereitschaft dem Evangelium ein Gesicht geben. Er tat das so sehr, dass die Tuareg seine Behausung eine „Bruderschaft“ (fraternité) und ihn selbst als den „Bruder aller“ (frère universel) bezeichneten.
Dom Edson Damian, der Bischof von São Gabriel da Cachoeira in Brasilien, der uns im letzten Jahr anlässlich der Amazoniensynode besucht hat, gehört der geistlichen Familie Charles de Foucauld an. In einem Buch bezeichnet er den Glauben Foucaulds als eine „Spiritualität für unsere Zeit“.
Gerade die Coronapandemie zeigt uns, dass das Denken in nationalen, kulturellen, ethnischen, religiösen oder sozialen Grenzen nicht mehr greift. Das Virus ist überall, es ist universell und kennt keine Grenzen. Das gilt auch für die Klimakrise und für eine Reihe anderer Fragen, die nur im Weltmaßstab zu bewältigen sind.
Charles de Foucauld hat schon vor 100 Jahren eine Spiritualität gelebt, die uns helfen kann, als glaubende Menschen uns den Krisen von heute zu stellen. Ich nenne sie die „Haltung universeller Geschwisterlichkeit“. Sie setzt auf Respekt voreinander, auf gleichberechtigten Dialog, auf Dienstbereitschaft, Gastfreundschaft, Solidarität und eine besondere Sorge für die am meisten Verletzlichsten, was heute alle Lebewesen einschließt.
„Wer ist mein Nächster?“ wird Jesus gefragt. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird deutlich: Die ist meine Nächste, der ist mein Nächster, die und den ich mir zur Nächsten, zum Nächsten mache. Das können im Geiste Charles de Foucauld potentiell alle sein: nah und fern, geliebt und ungeliebt, mir ähnlich oder sehr anders als ich selbst.
Als Schwestern und Brüder aller Menschen zu leben und wahrgenommen zu werden wäre sicher ein Zeugnis von Christinnen und Christen, das wirken würde. Vielleicht kann uns die anstehende Heiligsprechung dazu einen Impuls geben.

Thomas Schmidt