Am Freitag, dem 25. Mai 2018 fand ab 18:00 Uhr im Josefshaus in Frankfurt Griesheim das erste Treffen zur Zukunfzsgestaltung des pastoralen Raums Nied-Griesheim-Gallus statt. Als einer der letzten Gemeinden, die noch keine Pfarrei des neuen Typs gebildet haben, sollte an diesem Wochenende ausgelotet werden, wie diese neue Zukunft für unsere Gemeinden aussehen könnte. Dafür haben sich Gemeindemitglieder des pastoralen Raums Nied-Griesheim-Gallus, deren Hauptamtliche und Gäste 2 Tage Zeit genommen, um im gemeinsamen Gespräch und Arbeitsgruppen die Wünsche und Ziele festzulegen.









Am ersten Abend waren dazu Mitglieder verschiedener Organisationen eingeladen, um die Erwartungen dieser Vereine, Parteien, Schulen und Religionsgemeinschaften an unsere Kirche zu erfahren:

  • Frau Maria Schmedt, Quartiermanagerin der Caritas im Gallus
  • Herr Mohammed Johari,
    vom I.I.S. (Islamische Informations- und Serviceleistungen e.V.) im Gallus
  • Frau Birgit Puttendörfer, SPD
  • Herr Jörg Winterling, CDU
  • Herr Pfarrer Preiser, evangelische Kirche Nied
  • Herr Hauke Hummel, Vereinsring Nied
  • Frau Ruth Dittmann, Schulleiterin der Georg-August-Zinn Schule
  • Dr. Aklilu Ghirmai, eritreische Gemeinde mit Sitz in St. Hedwig

Nachdem Pfarrer Rolf Glaser alle Gäste und Gemeindemitglieder des pastoralen Raums begrüßt hatte, übernahm Herr Hans Dieter Adam von der Stadtkirche die Moderation und jeder der oben genannten Vertreter hielt ein kurzes Statement, indem Sie/Er ihre/seine Vorstellungen einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit vorstellte:

Hinweis:
Die nachfolgende Zusammenfassung kann nur einen kleinen Einblick in die Thematik bieten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Frau Schmedt:

  • Menschen vernetzen
  • Veränderung durch neue Wohngebiete (Rebstock, Europaviertel) und damit verbunden Chancen (Wohnqualität, Infrastruktur) und Gefahren (Mietsteigerungen, Verdrängung)
  • Feindbilder abbauen
  • Kirche im Stadtteil: grenzüberschreitend, Ökumene, interreligiös
  • Die Kirche als Partner

Herr Johari:

  • Interreligiöser Arbeitskreis
  • deutsche Sprache als wichtiges Kriterium für die Teilnahme im Stadtteil
  • es gibt bisher jährlich 20 Moschee Führungen, die Vorurteile abbauen sollen
  • katholische u. evangelische Krankenhausseelsorger haben auch für muslimische Mitbürger den Weg bereitet
  • interreligiöser Stadtspaziergang
  • Aspekte aus muslimischer Sicht:
    – Dialog und Handeln
    – Unsicherheit im Umgang
    – Mediale Präsens soll gesteigert werden, da die gute Zusammenarbeit so gut wie
    nicht bekannt ist

Frau Puttendörfer:

  • Das Erreichen der Muslime ist eher schwierig, da die in Griesheim lebenden Muslime nicht in die dortigen Moscheen gehen
  • Beteiligung wird gewünscht bei der Diskussion des Umbaus von Griesheim – Mitte bzw. des Bahnhofs
  • Es wird auch hier schwieriger, neue Mitglieder für die ehrenamtlichen Aufgaben zu gewinnen
  • Viele Menschen, die hier wohnen, fallen durch das bestehende soziale Raster und können nicht erreicht werden. Wie kann man das in Zukunft ändern.

Herr Winterling:

  • Flüchtlingsproblematik, hier sieht er schon gute Arbeit
  • Zusammenhalt in Griesheim ist gut
  • Aber: wir erreichen nicht mehr alle Bürger

Pfarrer Preiser:

hat das Verhältnis der Kirche untereinander wie folgt wahrgenommen:

  • Katholische Kirche auch als eine Kirche der Reformation;
    einer Kirche, die immer an sich arbeitet
  • So sind auch in den Kirchen Dinge möglich, die an anderen Stellen nicht machbar wären
  • Ökumene gestalten, nicht weil es gerade opportun ist, sondern weil es selbstverständlich ist

Aber dies hat auch zur Folge, dass noch an dem Konzept gearbeitet werden muss:

  • keine „Kuschel“- Ökumene
  • Viele Fragen sind offen: Hierachie, Frauen & Männer in der Kirche
  • Wie sind die Antworten auf Fragen der Menschen
  • Ökumene: die Kirche ist unterwegs, es ist aber wichtig das eigene Profil zu stärken; Verständnis wir gefördert, wenn das Profil gestärkt ist
  • Aus den Kirchen in die Welt gehen
  • Den Menschen nicht auf seine Leistung reduzieren, sondern ihn so wertschätzen, wie er ist

Herr Hummel:

  • Ökumene in Nied funktioniert gut
  • Kirche soll in der Öffentlichkeit präsenter sein
  • die Soziale Stadt gemeinsam angehen (öffentlicher Platz in der Nähe von St. Markus)
  • Kontaktpflege zwischen Kirche(n) und Vereinen soll vertieft werden
  • gemeinsames Vereinsblatt im Internet
  • gemeinsam sind wir stärker, daher Kooperationen verstärken

Frau Dittmann:

  • Auch hier der Wunsch nach mehr Kooperation zwischen Kirche und Schule
  • Religion soll verstärkt gelehrt werden
  • Soziales Engagement und Gemeinschaft sollen gestärkt werden

Dr. Ghirmai:

  • Frankfurt als ein Schwerpunkt eritreischen Lebens
  • Pastorale Betreuung
  • Asylverfahren, Familienzusammenführungen
  • Wohnungsfragen

An diese Statements schlossen sich dann die Arbeitsgruppen an, die die einzelnen  Statements der jeweiligen Gruppierung ordneten und Schwerpunkte formulierten.

Dabei wurde recht deutlich, dass es gemeinsame Probleme gibt, die alle Gruppierungen betreffen, aber auch Hoffnungszeichen:

  • Unattraktivität des Ehrenamtes
  • Wie kann man Kinder (aber auch Erwachsene) für mehr Engagement begeistern?
  • Zu wenig Öffentlichkeit für Dinge, die gut laufen
  • Kirche wird als Oase in einer schnelllebigen Zeit gesehen, aber auch als Multiplikator für wichtige Themen im Stadtteil. Kirche muss im Stadtteil präsent und erreichbar sein. Kirche soll modern, aber nicht modisch sein.
  • Kontakt zwischen den Generationen. Sozialkompetenz und Beziehungen aufbauen.
  • Präsenz und Kooperationen zwischen Kirchen und Vereinen
  • Der interreligiöse Dialog soll gefördert werden
  • Bessere Vernetzung zwischen Schule und Kirche: Kinder brauchen eine Identität, auch eine religiöse!
  • Bessere Integration der Flüchtlinge (z.B. Sprachcafé, Café International), Brückenfunktion zwischen Flüchtlingen und Ortsansässigen, Vertrauen aufbauen

Kurz nach 21.00 Uhr endete damit der erste Teil der Zukunftswerkstatt.

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Am nächsten Morgen um 9.00 Uhr wurden dann anhand von 7  Punkten die Grundlagen für ein neues Pastoralkonzept gelegt:

  • Wie feiern wir in Zukunft Liturgie?
  • Wie können wir den Glauben weitergeben?
  • Wie sind wir an der Seite der Menschen, die uns brauchen?
  • Welche Rolle werden wir in unseren Stadtteilen spielen?
  • Was sind gemeinsame Aufgaben? Was muss vor Ort bleiben?
  • Weltkirche – Wie sind wir solidarisch in der Einen Welt?
  • Wie ereichen wir neue Menschen? Wie kommen wir mit Menschen, die neu zugezogen sind ins Gespräch?

Nach der Methode Worldcafé sollten nun die oben genannten Themen diskutiert werden und zwar so, dass jeder an 3 frei wählbaren Themen jeweils 20 Minuten teilnahm.

Danach wurden von den verantwortlichen Leitern die Ergebnisse präsentiert:

  • Wie feiern wir in Zukunft Liturgie?
    – Formenvielfalt in der Liturgie
    – verschiedene Gottesdienstarten, z.B.:
    – klassischer Gotetsdienst
    – meditativer Gottesdienst
    – Gottesdienst, der mehr auf musikalische Gestaltung setzt
    – Ortsnähe ist wichtig
    – eine gleichbleibend hohe Qualität mit Authentizität, den Menschen
    berührend
    – Erweiterung der Befähigung für die Gottesdienstfeier
    – Liturgie soll nicht nur in der Kirche stattfinden
    – Ein Profil ist wichtig, die katholische Kirche soll als solche erkennbar bleiben
  • Wie können wir den Glauben weitergeben?
    – Glaube benötigt Grundwissen
    – Glaube muss gelebt werden
    – Menschen haben Fragen an uns (und unsere Institution)
    – Medien sind (meistens) gegen uns
    – möglichst früh mit der Glaubenserziehung beginnen (z.B. Taufkreis, Kindergarten)
    – Eltern ansprechen, Menschen ermutigen zu uns zu kommen
    – Auch kirchenkritische Themen anspechen
  • Wie sind wir an der Seite der Menschen, die uns brauchen?
    – Zielgruppen definieren
    – Flüchtlinge
    – Arbeitslose
    – Alleinstehende, die sich auch einsam fühlen
    – Junge Familien
    – Alleinerziehende
    – Wohnungssuchende
    – Kranke, Kinder, Jugendliche
    – Suchtkranke
    – Migranten (hier ist der Begriff neu zu definieren!)
    – Bestandsaufnahme (was bieten wir schon?)
    – Allgemeine Lebensberatung
    – Sprachcafé
    – Café International
    – Flüchtlingswohnungen
    – Hausaufgabenhilfe
    – Kirche für Arbeit
    – Seniorenclubs
    – Jugend braucht Arbeit
    – Obdachlosenfrühstück
    – Kinder- und JugendfreizeitenFragen:
    – Wer will und wer braucht unsere Hilfe?
    – Was können wir in Zukunft davon noch leisten?
  • Welche Rolle werden wir in unseren Stadtteilen spielen?
    – Vernetzung mit anderen Institutionen
    – Vernetzung mit den Generationen
    – Vernetzung mit anderen Gemeinden
    – Unser Auftrag lautet: Geht hinaus in alle Welt /Lasset die Kinder zu mir kommen
    – Viele Dinge – die wir tun – sind gut, jedoch werden die Einladungen dazu nicht
    angenommen.
    – Soziale Frage: für die Menschen da sein, sich an den Bedürfnissen orientieren
  • Was sind gemeinsame Aufgaben? Was muss vor Ort bleiben?
    – Kultur, Erwachsenenbildung, bestimmte Gottesdienst -> gemeinsam
    – Fahrten -> gemeinsam
    – Feste: sowohl ein zentrales Pfarrfest, als auch Feste vor Ort, z.B. Patronatsfeste
    – Pfarrbüro vor Ort
    – Seniorenarbeit, Jugendarbeit und Caritas vor Ort
    – Messdienerausbildung sowohl vor Ort als auch für/im pastoralen Raum
    – Öffentlichkeitsarbeit sowohl vor Ort als auch raumübergreifend
  • Weltkirche – Wie sind wir solidarisch in der Einen Welt?
    – Im Prinzip gut aufgestellt: Kamerun, Brasilien, Rumänien
    – Projekte sollten aber besser koordiniert werden
    – Wie interessieren wir Menschen für den Blick über den Tellerrand?
    – Frage der Gerechtigkeit
    – Information der Gemeinden
    – Respekt, Neugier auf andere mit:
    – Unterschriftaktionen
    – Verkauf von fair gehandelten Produkten
    – Gemeinsam feiern
  • Wie ereichen wir neue Menschen? Wie kommen wir mit Menschen, die neu zugezogen sind ins Gespräch?
    – Verstehen, welche Menschen hier neu zugezogen sind
    – Kleinigkeiten zählen: Begrüßung, Verabschiedung, persönliche Einladung
    – Kirche als Motor für Gespräche
    – Taufe, Erstkommunion, Firmung als Gelegenheit für Kontakte nutzen
    – (Gemeinde-) Feste feiern, um mit den neu hinzugezogenen ins Gespräch zu kommen.
    – Freude als Grund für unsere Aktionen

Nach den Arbeitsgruppen meldeten sich unsere Gäste aus Kamerun zu Wort und schilderten ihre Eindrücke von dieser Veranstaltung:

  • Beeindruckt von der Vielfalt der Kontakte im pastoralen Raum (ev. Kirche, Muslime)
  • Wir machen vieles richtig, aber auch Kritik ist notwendig
  • Selbstkritisch hinterfragen: was läuft gut, was ist verbesserungswürdig
  • Zeugnis ablegen, denn nicht jeder liest die Bibel oder besucht die Kirche
  • Junge Leute für die Weitergabe des Glaubens begeistern, aber auch die Eltern
  • Wir sind als Kirche in der (Welt-) Kirche eingebunden
  • Frage war: wo sind heute die Jugendlichen
  • Die Kirche muss für die Nöte der Menschen da sein, auch hier in Frankfurt gibt es Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Die weitere Vorgehensweise ist wie folgt:

  • Das hier entstandene Material muss gesichtet werden. Dafür ist das Vorbereitungsteam zuständig.
  • Dann wird es dem PGR vorgelegt und diskutiert
  • Es entsteht ein neues pastorales Konzept
  • Dies wird von den PGRs verabschiedet
  • Ab 2023 etwa enststeht die neue Pfarrei

Gegen 13.00 Uhr endete dieser arbeitsreiche Vormittag mit einem gemeinsamen Mittagessen.

 

Heinz Jürgen Herbert.

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