Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

laetare“, „sich freuen, das ist der Name für diesen 4. Fastensonntag. Ich sitze am Schreibtisch und habe als erstes den Impuls: „Das fühlt sich irgendwie falsch an!“ Sich frPfarrer Glasereuen, mitten in der Krise – mit Kranken, Sterbenden und Toten? Um mich herum merke ich viel Angst, Unsicherheit und Unruhe. Wie viele andere schließe ich meine E-Mails mit dem Wunsch: „Bleib gesund!“ Für mich selbst hat die Situation etwas Unwirkliches an sich.

Da hilft mir wie so oft das Evangelium dieses Sonntags! Wie oft habe ich es erlebt, dass dann, wenn mir nichts mehr einfiel, die Bibel in die Hand fiel. Und da ist schon die erste Feststellung: Freude fällt uns zu! Sie wird uns geschenkt! Wir müssen und können sie nicht selbst herstellen. Das Wort Gottes als Quelle der Freude! Gott, der in den Worten geheimnisvoll zu uns spricht, als Ursprung der Freude!

Das Evangelium des Sonntags ist eine Wunderheilung. Die berühmte Heilung des Blindgeborenen im Johannesevangelium. Sie war mein Prüfungsstoff bei meiner Prüfung im Neuen Testament durch Gerhard Lohfink in Tübingen. Alte Erinnerungen werden lebendig! Der Blinde kommt nach und nach zur Erkenntnis Jesu als Gottessohn, erst undeutlich dann immer klarer; parallel dazu verrennen sich die Gegner immer mehr in ihrer Arroganz und Betriebsblindheit: ein Drama in sieben Akten!

Gleich zu Beginn ein Rätselwort Jesu! „Wir müssen solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat. Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.“ - Da merke ich, die „Freude“ dieses Sonntags hat es in sich. Es ist eine Freude angesichts der „Nacht“ von Golgatha, die auf Jesu zukommt. Sie muss sich angesichts dieser Nacht bewähren. Und sie bewährt sich, indem sie heilende Kräfte freisetzt, dem Unheil das Heil entgegensetzt. Heilen als Mittel gegen das Unheil!

Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen! Wie viel Heilendes habe ich in diesen Tagen der Krise erlebt! - Gerade Begegnung mit einem Restaurantbesitzer! Er hat wegen Corona sein Lokal geschlossen und möchte jetzt seine Vorräte für Menschen zur Verfügung stellen, die sich selbst nicht helfen können. Er würde sogar für sie kochen!

Viele helfen auf diese oder andere Weise, in pflegenden Berufen, in den Krisenstäben, das Notpersonal in unseren Kindertagesstätten, bei Einkaufen in der Nachbarschaftshilfe – und nicht zuletzt durch ihr Gebet: Sie alle machen deutlich: „Die Mitte der Nacht ist der Anfang eins neuen Tags!“ Darf man sich darüber nicht freuen?

Ihr Pfarrer Rolf Glaser