Monika SjpgKirchentagebuch für den 18.Mai 2020

von Monika Stanussek

 

 

 

Mal wieder die Frauen?!
In den letzten Tagen war in den Medien einiges dazu zu hören und zu lesen, dass die Frauen Verliererinnen der Corona-Krise seien. Wie kommt das?
Frauen sind es, so ist es in Untersuchungen belegt, die sich in erster Linie um die Kinder kümmern, um ihre schulischen Belange in diesen Zeiten, um ihre Freizeitgestaltung und natürlich um die Versorgung der Familie. Von einer gleichgewichtigen Arbeitsaufteilung sind die meisten Familien noch weit entfernt. Das alles war vor Corona schon so, so die Soziologin Jutta Allmendinger am Freitag, 15.05.2020 in der Sendung Aspekte, doch in dieser angespannten Zeit wird das noch deutlicher. Einen Rückfall in die 50 er Jahre würden wir gerade erleben!
Frauen sind die, die zu mindestens 75 % die Care-Arbeit machen, in Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeinrichtungen, in der Kinderbetreuung. Auch in weiteren „systemrelevanten“ Berufen, z.B. im Einzelhandel, arbeiten hauptsächlich Frauen. Alles Berufe, die schlecht bezahlt werden, was inzwischen ja endlich gesellschaftlich breit diskutiert wird. Welchen Wert messen wir welchen Tätigkeiten bei? 20 % beträgt die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen! Führungspositionen werden nach wie vor in der Regel von Männern eingenommen. Die einzige Frau, die weltweit einem Dax-Konzern vorstand, hat aufgehört.
In der Kirche ist uns diese ungleichgewichtige Aufteilung leider sehr bekannt. Auch da hat eine breite Diskussion eingesetzt. Führende Kirchenverantwortliche, alles Männer, betonen immer wieder, dass Frauen Führungspositionen übernehmen sollen, solche, die nicht an das Priesteramt gebunden sind. Das ist natürlich schon eine massive Einschränkung! Ja, einige wenige Frauen gibt es in leitenden Positionen, aber es sind wenige, eher die Ausnahmen. Die katholische Kirche ist nach wie vor von der Leitung her sehr männlich und von den Aktiven an der Basis sehr weiblich geprägt, sehr ähnlich wie in Gesellschaft und Wirtschaft. Wer schon mal eine Priesterweihe miterlebt hat wird sich erinnern: der ganze Altarraum ist voller Männer mit Leitungsverantwortung, Frauen tauchen als Messdienerinnen und als Lektorin auf.
Dabei hat die Kirche doch andere Grundlagen! Gestern, am 17. Mai hat die kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) den Tag der Predigerinnen initiiert. Dieser Tag ist den Gedenktag der Junia, von der im Römerbrief Kap. 16, Vers 7 die Rede ist. Fast 2000 Jahre wurde ihr Name in der männlichen Form, Junias, übersetzt. Erst die Einheitsübersetzung der Bibel von 2016 hat den Fehler korrigiert, der seit langem bekannt war, und nun lesen wir da von Paulus:
„Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ Junia wurde als Apostolin anerkannt, wie ihr Mann / Gefährte Andronikus und Paulus selbst auch. Und ebenso wie Maria von Magdala. Das sind biblische Zeugnisse von gleicher Würde und gleichen Rechten von Männern und Frauen in den ersten christlichen Gemeinden! Davon sind wir weit entfernt.
Wir Frauen haben noch einen weiten Weg vor uns, im eigenen Umfeld, in der Gesellschaft und in der Kirche! Gehen wir ihn mutig und unverdrossen, im Bewusstsein, dass viele Frauen in ihrer Zeit außergewöhnliche Wege vor uns gegangen sind und viele heute ihre Wege, oft in Gefahr und mit vielen Schwierigkeiten, überall auf der Welt gehen.
Apostolin Junia stärke unseren Mut und unser Durchhaltevermögen!
Monika Stanossek

 

Bitte, denken sie auch an die Menschen in ihrer Umgebung, die nicht über einen Internetzugang verfügen und drucken sie das Kirchentagebuch aus und werfen es ihren Nachbarn, Freunden und Bekannte bei einem kleinen Spaziergang in den Briefkasten!
Vielen Dank!