Pfr Rolf Glaser 225x300Der Wonnemonat Mai! Die Natur ist zu neuem Leben  erwacht! Der Monat Mai – der Marienmonat!

 

 

 

 

Er gibt der Osterzeit nochmals einen besonderen Akzent, indem er den Blick auf die „österliche Maria“ lenkt. Das österliche Marienlied schlechthin ist für mich das Lied „Lasst unser erfreuen herzlich sehr“ (GL 533/ altes GL 585)

1. Strophe

Lasst uns erfreuen herzlich sehr, Halleluja,
Maria seufzt und weint nicht mehr, Halleluja.
Verschwunden sind die Nebel all, Halleluja,
jetzt glänzt der lieben Sonne Strahl, Halleluja.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

2. Strophe

Wo ist, o freudenreiches Herz, Halleluja,
wo ist dein Weh, wo ist dein Schmerz? Halleluja.
Wie wohl ist dir o Herz, wie wohl, Halleluja,
nun bist du aller Freuden voll. Halleluja.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

3. Strophe

Sag an Maria, Jungfrau rein, Halleluja,
kommt das nicht von dem Sohne dein? Halleluja.
Ach ja: Dein Sohn erstanden ist, Halleluja,
kein Wunder, dass du fröhlich bist. Halleluja.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

4. Strophe

Aus seinen Wunden fließen her, Halleluja,
fünf Freudenseen, Freudenmeer. Halleluja.
Die Freud sich über dich ergoss, Halleluja,
und durch dein Herz die Freude floss. Halleluja.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5. Strophe

Dein Herz nun ganz in Freuden schwimmt, Halleluja,
und zu und zu die Freude nimmt. Halleluja.
Ach nun vergiss auch unser nit, Halleluja,
und teil auch uns ein Tröpflein mit. Halleluja.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Sicher, diese Sprache ist für die  Nüchternheit moderner Menschen zunächst eine Zumutung! Es ist die schwelgende, blumenreiche Sprache des Barock, der sich der Verfasser des Lieder, Friedrich Spee von Langenfeld, bedient, wie er es in all seinen Liedern tut (etwa das bekannte Osterlied „Ist das der Leib, Herr Jesu Christ“). Er gilt als der größte deutschsprachige Poet des Barock, zunächst vergessen, dann in der Romantik wiederentdeckt, so dass sich seine Lieder heute auch in unserem Gotteslob finden. Wer sich nicht davon verschrecken lässt, wer es auf sich nimmt, in diese Sprach- und Gedankenwelt vorzudringen und einzutauchen, der entdeckt sehr schnell, den spirituellen Reichtum und Tiefgang darinnen.

Seit dem Mittelalter kennt die christliche Spiritualität die „Marienklage“ wie sie etwa im „stabat mater“ („Christi Mutter stand mit Schmerzen“) zum Ausdruck kommt. Die Betenden sollen sich in den Schmerz Mariens hineinfühlen, den Schmerz Mariens zu ihrem eigenen Schmerz machen und zugleich die eigenen Schmerzen im Schmerz Mariens wiederfinden.

Friedrich Spee setzt nun hier den Kontrapunkt, den Gegenakzent: „Maria seufzt und weint nicht mehr“. Die Zeit des Schmerzes ist vorbei. Die, die mit Maria getrauert haben, dürfen sich nun auch mit ihr freuen! Die Freude Mariens wird zur eigenen Freude.

„Verschwunden sind die Nebel all“. Friedrich Spee war in seiner Zeit wahrlich vielen „Nebeln“ ausgesetzt: Der dreißigjährige Krieg, die Gegenreformation, in deren Wirren er eine Verwundung erlitt, die Hexenverfolgung, die er entschieden bekämpfte und dadurch in große Konflikte hineingeriet (sein Hauptwerk die „cautio criminalis“). -  Seine eigene Schwägerin, die „Hexenkönigin von Bruchhausen“, war aufgrund falscher Anschuldigungen auf dem Scheiterhaufen geendet. Wir waren letztes Jahr dort, in Bruchhausen bei Unkel, auf Gemeindewallfahrt! - Die „Postmeisterin von Köln“, deren Postmeisterei sich das Haus Thurn und Taxis“ unter den Nagel reißen wollte (aufgrund der falsche Anklage einer Nonne - ohne Geständnis – wir sie als Hexe verbrannt) verteidigte er und geriet dabei selbst unter Verdacht, so dass er bei Nacht und Nebel aus Köln fliehen musste. Schließlich starb er 1635 an einer Infektion, die er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten in Trier zuzog. Erst 1980 wurde sein Grab in der Jesuitenkirche in Trier wiederentdeckt. Wer einmal nach Trier kommt, kann es dort besuchen.

Aber all diese „Nebel“ hatten für ihn nicht das letzte Wort. Für ihn waren sie prinzipiell schon überwunden, durch die Freude an der Auferstehung Jesu. Maria gibt uns im Glauben, wenn wir ihn denn mit ihr teilen,  an dieser Freude Anteil. Die fünf Wunden Jesu werden so verwandelt. Aus dem Blut des Gekreuzigten werden fünf Freudenseen, ja Freudenmeere.

„Und teil auch uns ein Tröpflein mit!“ Ein einziges Tröpflein genügt schon, damit auch wir „der lieben Sonne Strahl“, erkennen können, den Strahl der Ostersonne, der alle Nebel, die unseren Blick trüben und unserem Leben die Orientierung nimmt,  vertreibt!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Hier können Sie es sich anhören: https://www.youtube.com/watch?v=x6nRP-wrAYk;

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Joachim Schäfer - <a href="/www.heiligenlexikon.de">Ökumenisches Heiligenlexikon</a>

 

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