Rolf Mueller portrait 202. Mai: Gemeinschaft

Eigentlich wäre ich jetzt, wenn Sie diese Zeilen lesen, gemeinsam mit Jugendlichen aus unserer Gemeinde zu Gast bei unserer Partnergemeinde in Toplita / Rumänien. Wegen der Krise musste diese immer sehr spannende und intensive Fahrt abgesagt werden. Und das ist nicht die einzige abgesagte Fahrt: Die Wochenenden mit Firmanden aus dem Gallus und in Griesheim, die Sommerfreizeiten für Kinder der Griesheimer und der Nieder Gemeinden, die Jugendfreizeit der Griesheimer Gemeinde, die Griesheimer Gemeindefahrt, der Hilfstransport nach Rumänien, die Seniorenfahrt der Gallus Gemeinden, die Abschlussfahrt der Vorschulkinder auf den Bauernhof und nicht zuletzt die große Pilgerreise des Pastoralen Raumes nach Santiago de Compostela im Herbst – alle diese Fahrten finden nicht statt. Dazu kommen noch einige Tagesausflüge und Wallfahrten.
Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir klar: Wir sind in unserem Pastoralen Raum ziemlich oft miteinander unterwegs! Das hat gute Gründe. Ich denke: Gemeinsame Fahrten sind ein ganz starkes Stück Kirche. Bei ihnen ereignet sich oft eine ganz besondere Form der Gemeinschaft. Auf Fahrten ist es oft besser als sonst im Alltag möglich, über den Glauben ins Gespräch zu kommen und ihn auch ein Stück weit zu leben – besonders (aber bei weitem nicht nur) mit Jugendlichen. Wie oft höre ich von ganz besonderen Gottesdiensten, die auf vielen Fahrten gefeiert worden sind, in Assisi, in Rumänien, bei den Wallfahrten. Gemeinsame Fahrten bringen oft neue Einsichten und neue Perspektiven, nicht selten öffnen sie den eigenen Horizont. Viele Fahrten haben auch einen sozialen Aspekt: Besonders bei Kinder- und Jugendfreizeiten können auch die mitfahren, die sich einen Urlaub normalerweise nicht leisten könnten. Und während der Fahrten spielt der soziale Status eines Teilnehmenden kaum eine Rolle. Gemeinschaft, Erzählen vom Glauben, Gottesdienst und sozialer Aspekt – sind das nicht Dinge, die Kirche ausmachen?
Ich vermisse unsere Fahrten in diesem Jahr sehr und ich weiß von vielen, denen es genauso geht. Ich hoffe, dass sie bald wieder möglich werden, damit viele diese Erfahrung von Gemeinschaft machen können. Denn: Glauben kann man nicht für sich allein. Der christliche Glaube ist kein Mittel der Selbstoptimierung. Er ist auf echte Gemeinschaft hin ausgelegt, will in dieser gelebt werden und soll als solcher auch in die Gesellschaft insgesamt hinein wirken. Deswegen bin ich froh, wenn es möglichst bald wieder gelingt, dass wir uns wieder persönlich treffen können.
Heute beginnen wir in Griesheim und Nied wieder mit öffentlichen Gottesdiensten. Auch wenn sie (noch aus gutem Grund) vielerlei Beschränkungen und einer Anmeldepflicht unterliegen, sind sie doch ein erstes zaghaftes Zeichen für das, was wir sein wollen: Eine Gemeinschaft mit dem Herrn in unserer Mitte!

 

Bitte, denken sie auch an die Menschen in ihrer Umgebung, die nicht über einen Internetzugang verfügen und drucken sie das Kirchentagebuch aus und werfen es ihren Nachbarn, Freunden und Bekannte bei einem kleinen Spaziergang in den Briefkasten!
Vielen Dank!