Thomas SchmidtKirchentagebuch 27.04.2020, Thomas Schmidt

„Christ ist erstanden“

Kommt Ihnen auch unwillkürlich die Melodie zu diesem wohl ältesten Kirchenlied in deutscher Sprache in den Sinn, wenn sie diese drei Worte lesen: „Christ ist erstanden“?
Corona „sei Dank“ kann ich als Priester jetzt am Sonntagmorgen auch Radio hören. Im Deutschlandfunk hörte ich am 19.04. einen wunderbaren Osterbeitrag, u.a. über dieses Lied. Es kommt aus dem 12. Jahrhundert und wird Osterleis genannt. Das Leis kommt von Kyrie eleis, mit dem im Lied auf den deutschen Text geantwortet wird.
Dieses Lied bringt nur einen verhaltenen Osterjubel zum Ausdruck. „Die Halle hat ja - in der Tat – nicht von des Volkes mächtigem Jubel getönt“, wie es eindrücklich im Exsultet der Osternacht heißt. Ostern und Osterzeit sind in diesem Jahr weiter von Sorgen, von Krankheit und Tod geprägt. In diese Situation tönt das „Christ ist erstanden“ auf seine eigene Weise. Wir moderne Menschen hören diese Melodie nah an der Tonart Moll. Diese ist traurig, zurückgenommen und verhalten. Die ursprüngliche Tonart dieses Liedes aber ist dorisch und diese steht für kraftvoll und strahlend.
In diesem Lied können wir also beide Aspekte hören: Trauer und Hoffnung, Schmerz und neues Leben und im Halleluja dürfen wir vorsichtig mit einstimmen in die Überzeugung, dass der Tod die Herrschaft über das Leben verloren hat.
Summen Sie doch dieses Lied immer wieder mal in diesen verhalten österlichen Tagen vor sich hin. Es ist auf der ganzen Welt bekannt und die Erkennungsmelodie jedes evangelischen Kirchentages. Es verbindet uns also auch über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg.
Auch dafür steht Ostern, dass Grenzen überwunden werden. Das macht Hoffnung.
Thomas Schmidt
PS: Wer noch das alte Gesangbuch zu Hause hat, kann mal das Lied unter der Nummer 837 nachschlagen. Es ist so komponiert, dass es mit „Christ ist erstanden“ im Wechsel gesungen werden kann. „…dass auf der Erde stets alles so bliebe“. Soll es nicht. Aber das ist schon wieder ein anderes Tagebuch.

 

 

Bitte, denken sie auch an die Menschen in ihrer Umgebung, die nicht über einen Internetzugang verfügen und drucken sie das Kirchentagebuch aus und werfen es ihren Nachbarn, Freunden und Bekannte bei einem kleinen Spaziergang in den Briefkasten!
Vielen Dank!