Pfarrer GlaserDer Emmausgang! Das Evangelium vom Ostermontag! Da sind zwei unterwegs, ratlos, bis sich der Dritte dazugesellt! Und plötzlich kommt zur äußeren Bewegung, zum „nur weg von hier“, eine innere Bewegung dazu, eine Bewegung in eine neue Richtung! Mit den beiden geschieht eine Wandlung. Der Höhepunkt ist das Brechen des Brotes! „Da gingen ihnen die Augen auf“ und sie sprachen zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss“.
Wie viele begleitet mich dieses Evangelium seit Kinder- und Jugendtagen. Weggemeinschaft! Ostererfahrung in einer kleinen Gruppe!
Die Theologie kennt den Begriff der „ecclesiola“ – der „kleinen Kirche“ (in Unterscheidung von der großen „ecclesia“. Oft wird darunter die Familie verstanden, als die Kirche im Kleinen. Wir dürfen sie aber auf alle kleinen Glaubensgruppen ausdehnen, im Sinne Jesu: „Wo zwei oder drei beisammen sind….“. Schließlich war die „Hauskirche“ der erste Versammlungsort der jungen Christengemeinschaft.
Dieses denkwürdige Osterfest im Zeichen von Corona hat uns die „eccesiola“ wieder neu schätzen gelehrt: Glauben Leben, Ostern feiern, in der Familie, in der kleine Gruppe. Auch für uns Seelsorger -zugegeben: leider nur Männer! – waren die gemeinsamen Feiern in unserem kleinen Kreis von Gründonnerstag bis Ostersonntag eine neue und intensive Erfahrung, ein Erlebnis. Wir haben nicht nur Ostern gespielt, wir haben es gefeiert und miteinander neu erfahren!
Es könnte ein Gewinn dieser Tage sein, dass wir den Wert des Glaubenslebens in der kleinen Gruppe, in der Familie, in der Hausgemeinschaft wieder neu kennen und schätzen lernen. Miteinander Kirche sein im Kleinen. Wo es nicht anders geht: „Singles“, die sich über die Medien miteinander verbinden! Miteinander den Glauben entdecken, miteinander über den Glauben sprechen, miteinander den Glauben feiern! Ein Aufbruch der Kirche im Kleinen, um die Sprachlosigkeit in Glaubensdingen zu überwinden, die Christinnen und Christen oft so kraftlos und schwach daherkommen lässt. Den Glauben zur Herzensangelegenheit machen! Denn, wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über! „Noch in derselben Stunde brachen sie auf!“ Das wünsche ich uns für unsere Familien, Gruppen und Kreisen – nicht nur in Zeiten wie diese!
Frohe Ostern!
Ihr Pfarrer Rolf Glaser

 

Eine Bitte: Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei. Vielen Dank!