Rolf Mueller portrait 210. April, Karfreitag: Er hat sich für uns klein gemacht

Der Karfreitag war für mich schon immer mehr als nur ein „Durchgangsfeiertag“ hin zu Ostern. Gerade in dieser Krisenzeit ist mir der Karfreitag besonders wichtig. Denn an diesem Tag zeigt sich mir, wie sehr Gott unser „Verbündeter“ geworden ist.
„Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“, so heißt es im Philipperbrief (Phil 2,6). An Weihnachten denke ich immer daran, wie körperlich klein sich Gott in Jesus gemacht hat: Er ist als ein echtes kleines Baby geboren worden. An Karfreitag zeigt sich dieses „Kleinsein“ noch mehr: Gott wird in Jesus klein im Sinne von verwundbar, folterbar, verletzlich, sterblich. In diesem Kleinsein teilt Jesus sein Schicksal mit uns Menschen, er verbindet sich mit uns, er wird unser Verbündeter.
Besonders aber wird er Verbündeter der Leidenden, der Benachteiligten, der Armen und der Kranken. Der leidende und sterbende Jesus will gerade heute den Coronakranken in aller Welt, den Geflüchteten an den Grenzen Europas, den um ihre Existenzen fürchtenden Menschen hier und in aller Welt ganz nahe sein.
Unsere Kirchen in Nied, Griesheim und Gallus sind heute offen. In ihnen ist heute Nachmittag das enthüllte Kreuz zu sehen. Wenn Sie möchten, schauen sie doch einfach vorbei. (Ich glaube, es wird möglich sein darauf zu achten, dass wir immer nicht mehr als drei oder vier Personen in der Kirche sind). Im Internet finden Sie auf unseren Homepages viele Möglichkeiten, den Kreuzweg alleine oder mit anderen gemeinsam zu beten und einen Film über die Kreuzenthüllung in St. Hedwig zu schauen.
Wenn wir das Kreuz verehren und damit an den Tod und das Leiden Jesu denken können wir spüren: Gott lässt uns nicht allein. Und er ruft uns auf, ihm nachzufolgen und selbst denen nahe zu sein, denen es nicht gut geht, die krank und alleine sind und denen Unrecht geschieht. Besonders diesen Menschen sollen wir dann zu echten „Verbündeten“ werden.

 

Eine Bitte: Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei. Vielen Dank!