Pfr Rolf Glaser 225x300Der 2. April! Es ist der Geburtstag meiner schon lange verstorbenen Großmutter Maria Glaser („die Marie-Mame“), die in Landstuhl in der Pfalz lebte und – manche kennen meine Erzählungen! - ein wahres Original war. Erinnerung an eine gütige - manchmal leider zu gütige - einfache Frau ohne große Ansprüche. Für mich eine herzensgute Oma, bei der ich Zuflucht finden konnte. Mit 14 war sie vor ihrer sprichwörtlich bösen Stiefmutter geflohen (die Mutter war in jungen Jahren gestorben) und bei einem Bauern in Landstuhl in Stellung gegangen. Mit 16 heirate sie meinen Großvater! Sie hatten drei Kinder. Sie erwarben einen unfruchtbaren Acker und wandelten ihn über Jahrzehnte hinweg in einen schönen großen Garten um. Während Opa Fritz in der großen Wirtschaftskrise 1929 arbeitslos war, bauten sie sich auf diesem Acker ein kleines Selfmade-Haus, errichtet aus Bruchsteinen aus den Landstuhler Steinbrüchen (Deckenhöhe: 1,80). Beim Polenfeldzug musste mein Opa - zum zweiten Mal! - in den Krieg und erlitt einen doppelten Schädelbruch. Positiv: Er konnte nach Haus zurück! Negativ: Durch die Folgen der Verletzung wurde er zu einem mürrischen Mann, der seiner Frau mitunter das Leben schwer machen konnte.- In späteren Jahren half die Oma ihrer ältesten Tochter, nach deren Tod meinem Cousin, beim Verkauf in der Bäckerei. Von früh bis spät stand sie mit ihren Krampfader-Beinen hinter der Ladentheke. Dass tat sie bis zum 75. Lebensjahr. Mit 80 Jahren verstarb sie an einem Herzschlag.
Eine Frau aus dem Volke! In wie vielen meiner Beerdigungspredigten finden sich ähnliche Biographien! Was können sie uns in dieser Krise sagen? Mir sagen sie: Noch nie war das Leben ein Kinderspiel! Immer war es ein Wagnis und wollte bewältigt werden. Und die Altvorderen zeigen uns, wie sie es unter schwierigen Bedingungen und vielfachen Gefährdungen gemacht haben – sicher mit allen Fehlern und Schwächen – und dass man es schaffen kann! Dass man Krisen meistern kann!
Eine Frau aus dem Volke! Am letzten Sonntag war der sogenannte „Misereor-Sonntag“. „Misereor super turbam“! „Mich erbarmt des Volkes“ (Mk 8,2) ruft Jesus vor der Speisung der Viertausend! Der Blick auf die Altvorderen kann uns vor einer Blickverengung in der gegenwärtigen Krise bewahren. Gewiss haben wir unsere eigenen Ängste und Befürchtungen. Die dürfen wir zulassen! Darüber sollten wir aber all die nicht vergessen, die weit schlimmer daran sind als wir selbst. Nicht nur Sorge ums Klopapier! Vielmehr auch Sorge um all die Kleinen in den Slums und Favelas und Flüchtlingslagern dieser Welt, ohne sauberes Wasser, ohne Schutzmöglichkeiten, ohne ärztliche Versorgung, der Seuche hilflos ausgeliefert, ebenso häufig ihren korrupten Politikern.
Was können wir tun? Nicht zuletzt: Das Hilfswerk Misereor hilft mit unserer Spende! Durch den Ausfall der Misereor - Kollekte in den Sonntagsgottesdiensten ist es dringend darauf angewiesen! Ein Weg zu den Menschen! Zu den kleinen Leuten! Zum weltweiten Volk Gottes! Auch ein Weg aus der Krise!
Ihr Pfarrer Rolf Glaser

 

Eine Bitte: Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei. Vielen Dank!