Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Der heutige Tagebucheintrag ist von: Gemeindereferent Ruben Manger (Foto)

 Keine Zeit zu sterben

Hätten wir normale Zeiten würde ich mich jetzt innerlich darauf vorzubereiten, morgen Abend ins Kino zu gehen, um mir den neuen James Bond „Keine Zeit zu sterben“ anzusehen. Leider ist der Filmstart jetzt verschoben worden, aber der Filmtitel hat mich zum Nachdenken gebracht.

„Ich habe keine Zeit zu sterben“

Ich habe genug anderes zu tun, aufräumen, nachdenken, wie man die Zeit für die Kinder vernünftig füllt und so weiter und so weiter. Da ist für sterben nicht auch noch Zeit.

„Es ist keine Zeit zu sterben“

Es gibt bessere Zeiten zu sterben als gerade jetzt. Jetzt, wo man auf dem Friedhof nur noch mit 5 Personen anwesend sein darf, in der man aufgrund von Corona keine Erde ins Grab werfen darf. Jetzt, wo ein Trauergespräch unpersönlich am Telefon geführt wird, man nach der Trauerfeier nicht einfach beisammen sein darf oder gar – wie zurzeit in Italien – nicht mehr bei seinen Angehörigen sein darf, wenn diese im Sterben liegen und man irgendwann einen Anruf vom Krankenhaus oder dem Altenheim bekommt, dass man bitte den Bestatter anrufen soll, um den Verstorbenen abholen zu lassen.

Aber der Tod kennt keine Zeiten, er trifft uns immer und überall, zu früh, auch zu spät, im größten Freudentaumel oder in der tiefsten Depression, an Weihnachten, Fasching, der Fußball-WM oder bei sonstigen Anlässen.

Im Buch Kohelet finden wir eine Beschreibung der Zeit als Gleichnis für das Leben. Ich habe diesen Text schon bei Hochzeiten und Beerdigungen gehört und finde immer wieder, dass er lesenswert ist. Er beschreibt immer in Gegensatzpaaren, was alles zum Leben gehört.

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, […] eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; […] eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, […] eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden. […] Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden. […]“ (Kohelet 3,1-15)

Nichts hinzufügen und nichts abschneiden. Das klingt erstmal nicht positiv, wenn man an die schlechten Zeiten denkt. Aber – wenn man genau hinschaut – sagt uns der Text auch, dass es immer wieder auch das positive geben wird, weil beides zum Leben gehört. In dieser Hoffnung können wir uns Gott anvertrauen, in den schönen, wie in den schweren Zeiten.
Ruben Manger

Bitte denken sie auch an die Menschen in ihrer Umgebung, die nicht über einen Internetzugang verfügen und drucken sie das Kirchentagebuch aus und werfen es ihren Nachbarn, Freunden und Bekannte bei einem kleinen Spaziergang in den Briefkasten!

 

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