Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Rolf Mueller portrait 2
Der Tagbebucheintrag ist von Pastoralreferent Rolf Müller

Warten

Schon seit über einer Woche läuft dieser „Shut – Down“ nun, und ich bin am Warten. Ich warte darauf, dass aus dem Kindergarten neben unserem Pfarrbüro wieder laute Kinderstimmen bis ins Pfarrhaus dringen. Ich warte auf den Moment, in dem ich endlich wieder mit vielen vertrauten Gesichtern neben mir auf meinem Stammplatz sonntags in unserer Pfarrkirche sitze. Ich warte auf das viele Erzählen nach dem Gottesdienst vor der Kirchentür und auf den Frühschoppen im Josefshaus. Ich warte auf ein ganz normales Dienstgespräch mit meinen Kolleginnen und Kollegen, ich warte auf den ersten Handschlag mit Leuten auf der Straße, auf das erste große Fest mit voller Bude, guter Musik und toller Stimmung.
Oft frage ich mich, wie lange ich da noch warten muss. Ich gebe zu: Warten fällt mir schwer. Ich gehöre eher zu den Ungeduldigen, die es oft genug nicht abwarten können und denen es manchmal nicht schnell genug geht. Dabei weiß ich ja von viele Menschen, die das mit dem Warten ganz gut bewältigt haben. Gerade in der Bibel begegne ich welchen: Die Israeliten, die vierzig Jahre in der Wüste auf das gelobte Land warten mussten. Der greise Simeon, der sein ganzes Leben lang auf den einen Moment gewartet hat, an dem er das Jesuskind sehen durfte. Warten, das kann ich davon lernen, gelingt, wenn ich die Zuversicht nicht verliere. Wenn ich weiß: Hinter dem Horizont geht’s weiter; am Ende wird es gut – dann kann ich auch das Warten bewältigen. Und sind nicht all die Geschichten der Heiligen Schrift eine Botschaft des „Am Ende wird alles gut“? Trotz allem Leid, trotz aller Trauer, die in diesen Geschichten ihren Platz haben? .In diesem Sinne heißt warten für mich: Geduldig sein und das mit ganzem Herzen tun, was gerade geht.
In diesem Geist will ich die Zeit jetzt nutzen, um das Warten zu trainieren. Und ich hoffe sehr, dass ich dabei nicht zu ungeduldig bin, schlechte Laune bekomme oder hoffnungslos werde. Ich will das tun, was gerade möglich ist: Helfen, wo es nötig ist, Kontakte mit denen pflegen, die gerade jetzt sehr allein sind. Ich will die Zuversicht nicht verlieren – dabei helfen mir so viele geistliche Impulse, die ich in dieser Zeit geschenkt bekomme, so viele Gebete (wie zum Beispiel das vom Heiligen Vater letzten Freitag in Rom), so viele gute Gespräche, die ich gerade jetzt habe. Und vielleicht kann ich ja selbst ein wenig dazu beitragen, damit andere die Zuversicht nicht verlieren und das Warten gelingt.

Eine Bitte: Nicht alle unserer Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei. Vielen Dank!