Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Für diese Woche habe ich Pfarrer i.R. Klaus Wüst gebeten, in alter Verbundenheit zu uns, das Wochenwort zuschreiben. Mit vielen Grüßen aus dem Westerwald hat er es uns gesandt.
Ralf Albensoeder

Klaus Wuest 2018 1Wochenwort

Es sind schon fast 2 Jahre her, dass ich an den Augen operiert worden bin und seitdem, außer dem Gottesdienst bei den internationalen Tagen der Begegnung mit dem Bischof in St. Hedwig, nicht mehr in Griesheim und Nied war, und wir miteinander Gottesdienstfeiern konnten. Sie können sich sicher vorstellen, wie sehr mir dies fehlt, gerade in dieser Coronazeit, in der sehr viele auch mehrere Wochen auf die gemeinsamen Gottesdienste verzichten mussten. Selbst die jetzigen Möglichkeiten nach den vorgeschriebenen Verhaltensregeln ersetzen nicht die gewohnten Gemeindegottesdienste. Immerhin gilt zwar Jesu Wort: „Wo zwei oder drei zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“, aber es fehlt doch die Erfahrung von Gemeinde und Gemeinschaft in der Eucharistie und nachher bei der persönlichen Begegnung.
Trotz der vielen Regeln und belastenden Umstände sind die Gottesdienste doch als Kraftquelle empfunden worden.
Ich war bis zum Anfang der Pandemie noch in der Klinik und wurde dann zeitnah nach Hause entlassen und konnte in der Karwoche dann die Schreckensbotschaften aus aller Welt in allen Medien verfolgen bis heute.
Da das Wetter mitmachte, konnten wir auf der Wiese hinter dem Haus mit entsprechendem Abstand eine Abendmahlsmesse halten.
Mit großer Betroffenheit haben wir all der Menschen im Gebet gedacht, die schon Opfer der Pandemie waren und voller Angst vor der Infektion die Nachrichten verfolgten mit dem verzweifelten Kampf gegen den Virus .I
Wir haben allen Grund unseren Gott um seine Nähe zu bitten in der weiteren Entwicklung
In diesen W0chen ist mir ein Gebet aufgefallen von Dietrich Bonhoeffer, das gut in unsere Zeit passt:

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Seid behütet und bewahrt und gesegnet
Klaus Wüst. Pfr. i. R

Rolf Mueller portrait 2WochenWort am 14. Juni

Ausgesendet

Als wäre es für heute geschrieben! Das habe ich mir gedacht, als ich das Sonntagsevangelium von heute gehört habe! Da geht es im Matthäusevangelium um die Aussendung der Jünger durch Jesus. Und dieser Text fängt schon gut an: „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Jesus sieht, was bei den Menschen los ist; er spürt ihre Müdigkeit und Erschöpfung. Genau diese Phänomene machen sich nach einer so langen Krisenzeit auch in meinem Umfeld bemerkbar. Und ich bin mir sicher, dass Jesus das auch heute sieht. Damals hat er keine Konzepte und Pläne dagegen entworfen, sondern er hat seine Freunde zu ihnen ausgesandt. Es waren 12 Leute gewesen – diese Zahl ist symbolisch zu verstehen: Das ganze Volk Israel mit seinen zwölf Stämmen soll erreicht werden. Er gibt diesen Menschen große Vollmachten mit: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“

Ja, ich bin mir sicher, das ist für uns heute geschrieben. Auch wir sollen zu den Menschen rausgehen. Auch wenn ich sicher nicht Wunder wie Totenerweckungen oder Krankenheilungen vollbringen kann, so ist doch an dem Auftrag Jesu auch für mich viel Wahres drin. Ich kann sehr wohl zu Trauernden hingehen und einfach da sein. Ich kann Kranke besuchen und ihnen zur Seite stehen. Ich kann versuchen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und gegen die vielen Dämonen unserer Tage angehen: Verschwörungstheorien, rassistische Einstellungen und vieles andere mehr. „Das Himmelreich ist nahe!“ – wenn ich das verkünden soll, dann heißt das für mich: Ich kann meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass etwas davon hier in meinem Umfeld zu spüren ist. Denn überall dort, wo sich Menschen für Gerechtigkeit und für Schwache einsetzen, ist das Himmelreich nahe.

Ich bin mir sicher: Jesus sendet uns dazu auch heute aus, Frauen, Männer, Junge, Alte. Vielleicht ist das seine Botschaft an alle seine Freundinnen und Freunde für die Zeit jetzt am Ende des harten Lockdowns“: Geht raus, seid nahe bei den Menschen, besonders bei den Schwachen! Damit ist das Sonntagsevangelium von heute ein echter Anstoß, mich aus meinem „Coronafrust“ etwas raus zu bewegen: „Geh los, hab Mut, verlier die Hoffnung nicht“, könnten die Worte Jesu für mich heute bedeuten. Oder einfach genauso, wie er es damals gesagt hat: „Die Ernte ist groß!“

Ich wünsche Ihnen eine gute und gesegnete Woche!

Rolf Müller, Pastoralreferent

 

Bitte,
denken sie auch an die Menschen in ihrer Umgebung, die nicht über einen Internetzugang verfügen und drucken sie das Kirchentagebuch aus und werfen es ihren Nachbarn, Freunden und Bekannte bei einem kleinen Spaziergang in den Briefkasten!

Vielen Dank