Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Thomas Schmidt

Negativitätsverzerrung

Negativ ist zur Zeit positiv. „Bleiben Sie negativ und denken Sie positiv!“ – ist ein schöner Ratschlag, den wir uns in diesen Zeiten wirklich zu Herzen nehmen können.

Aber das ist leichter gesagt als getan. Und zwar wegen der „Negativitätsverzerrung“!? Dieser Begriff lief mir letztens über den Weg und hat mich interessiert.

Was bedeutet er? „Negative Emotionen wie Enttäuschung und Angst haben einen größeren Einfluss auf uns und halten länger an als positive Emotionen. Wenn Sie jemand sind, der mehr Zeit damit verbringt, über störende oder trostlose Ereignisse in Ihrem Leben nachzudenken, als über erhebende Ereignisse, dann wissen Sie, dass Sie nicht allein sind – dies wird als Negativitätsverzerrung bezeichnet und betrifft die meisten Menschen.“ (Doktorstuben.de)

Woher kommt das? Die meisten Forscher*innen glauben, dass das ein Ergebnis der Evolution ist. Diese Haltung hat unseren Vorfahren zum Überleben geholfen. Aus den Gefahren mussten sie mehr als wir lernen, wie sie zu vermeiden oder zu überwinden sind, um nicht unterzugehen. Deshalb beschäftigten sie die negativen Erfahrungen mehr als die positiven. Und wir haben das geerbt. (vgl. Doktorstuben.de)

Nun sind die Zeiten heute aber andere. Und wir haben ja gerade Ostern gefeiert. Die Überwindung des Todes durch das Leben. Die Negativität hat nicht das letzte Wort. Kann uns unser Glaube helfen, diese uralte Tendenz in uns zu überwinden - wenigsten immer wieder mal - , um mit Vertrauen und Zuversicht ins Leben zu schauen?

An Ostern habe ich vor dem Hintergrund des Misereor Hungertuchs Auferstehung als ein Ereignis bezeichnet, das goldene Fäden in unser Leben hinein webt. Goldene Fäden, gute Erfahrungen, die gelten und uns tragen und eine Perspektive geben gerade auch in den schwarzen Tagen, die uns Kraft und Lebensenergie kosten.

Bis Pfingsten sind wir noch in der Osterzeit. Wir haben noch ein paar Wochen Zeit, diese goldenen Fäden in unserem Leben zu entdecken und auf uns wirken zu lassen, so vielleicht die Negativitätsverzerrung zu überwinden und dem Leben zu trauen. So wird Auferstehung dann auch für uns selbst zu einer lebendigen Erfahrung.

Thomas Schmidt