Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Thomas Schmidtvon Thomas Schmidt

 

 

 

 

Nach der Volkskirche: Kirche im Volk

„Die Volkskirche kommt nicht wieder“ sagt unser Bischof Georg Bätzing. Und er fügt hinzu: "Diese Sozialstruktur, in der Kirche-Sein, in der religiöse Sozialisation irgendwie in einem Automatismus verlief, ist vorbei.“
Hat er Recht? Vieles spricht dafür: Die Selbstverständlichkeit kirchlichen Lebens ist uns weitgehend abhandengekommen. Die Weitergabe des Glaubens an die nächsten Generationen scheint kaum noch zu gelingen. Corona beschleunigt diese Tendenzen.
Trotzdem leben Gemeinden. Und in ihnen gläubige Menschen. Und mit ihnen Engagement, Initiativen, Ideen, auch neue. Selbstverständlich ist aber nichts mehr.
Was sind die Alternativen? Der Bischof sagt: "Wir müssen ganz andere Wege gehen." Das ist ein schöner Satz, dem man zustimmt und der einen doch ratlos zurück lässt. Was heißt das?
Für mich ist wichtig, dass die Nachfolgerin der Volkskirche eine Kirche im Volk ist, mitten unter den Menschen, nicht abgesondert, in sich verschlossen und mit sich beschäftigt. Sondern mittendrin: kommunikativ, dialogfähig, dienend, ermutigend, suchend und fragend.
Es gibt kein Rezept für diese neue Etappe des Kirche-Seins, schon gar nicht ein einziges. Um weiter zu kommen, um eine neue Form von Kirche sich entwickeln zu lassen, braucht es eher eine Haltung, die Rilke in seinem schönen Gedicht „Über die Geduld“ beschreibt:

„Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein. (R.M. Rilke)

Die Fragen leben und sich so eines Tages in die Antworten hineinzuleben, sind das die „anderen Wege“, die der Bischof meint?