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von Rolf Müller

 

 

 

 

 

30. August: Die Narben des Krieges – unsere Verantwortung

Neulich, bei einem Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt habe ich sie wieder entdecken können: Die Narben des zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus in unserer Stadt: Da waren all die Häuser, die in den fünfziger Jahren auf zerbombten Grundstücken errichtet worden waren, die Gedenktafeln für die Opfer der Shoa, die vielen Hochbunker, die aus der Zeit der Luftangriffe noch stehen, auch in unseren Stadtteilen, die Gedenkstelle für das KZ bei den ehemaligen Adlerwerken im Gallus. Es gibt sie, diese und noch viele anderen Narben des Krieges in Städten und in den Seelen vieler Menschen und deren Nachkommen – ganz besonders in den Gegenden Europas und der Welt, die Opfer der von Deutschen verschuldeten und durchgeführten Vernichtungsfeldzügen geworden sind.
Am Dienstag jährt sich der Beginn des 2. Weltkrieges nun bereits schon zum 81. Mal. Es gibt nicht wenige Menschen, die dieses Kapitel der Geschichte abschließen, ja sogar verharmlosen wollen. Ich bin davon überzeugt: Das darf nicht passieren. Die Narben dieser Zeit mahnen uns, diese immer wieder in den Blick zu nehmen, sich der Schuld und Verantwortung zu stellen und – wann immer möglich – aus ihnen zu lernen. Gerade wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen uns von dieser Zeit berichten können ist es wichtig, dass wir die Zeit des Nationalsozialismus immer wieder genau betrachten, weiter erforschen und Antworten auf die Fragen suchen, wie es zu diesem größten Massenverbrechen der Geschichte kommen konnte. Es gilt, darauf zu schauen: Wie konnte Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, und Autoritarismus so viele Menschen erreichen und durchdringen, dass diese zu einem solchen Verbrechen bereit waren? Die Antworten auf diese Frage sind wichtig. Denn auch heute stehen wir vor vielen Problemen und Herausforderungen, die denen der 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ähnlich sind. Wirtschaftskrise, weltweite Migration und ein neues Aufleben von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus erwachen bei uns und in vielen Ländern der Erde neu – genau die Phänomene, die zu der Katastrophe des 20. Jahrhunderts beigetragen haben. Strukturen, die nach dem 2. Weltkrieg als Lehren aus dieser Zeit aufgebaut worden sind, werden hinterfragt: Sei es die Europäische Union oder die liberale und Demokratie.
Der Blick auf die Narben des 2. Weltkrieges ist gerade für Christen eine bleibende Herausforderung für Frieden, Verständigung der Völker, Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten. Als Christen bekennen wir unsere Schuld, schauen auf die Narben, gedenken und beten wir für die Opfer und hören wir auf Gottes Wort, um immer wieder neue Wege zum Frieden zu finden. Ganz herzlich lade ich Sie in diesem Sinne zum Gedenkgottesdienst am 1. September um 18.00 Uhr in die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Frankfurt – Griesheim ein!