Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Pfarrer GlaserDer 2. Sonntag der Osterzeit ist alljährlich der Auftritt des „ungläubigen Thomas“. Eine zeitgemäß-unzeitgemäße Erscheinung!

Wir ungläubigen Thomasse! Viele von uns können kaum noch glauben, dass die heilige römische Kirche eine österliche Kirche ist. Dass sie eine Kirche ist, die - geprägt vom Auferstandenen - veränderungswillig, veränderungsbereit und veränderungsfähig ist!

Dem synodalen Prozess in unserm Land scheint der Wind aus den Segeln genommen!

Die Segnung von Paaren, die das Sakrament der Ehe nicht empfangen können, von Rom mit schwachen Argumenten abgelehnt! Die vermeintlichen Gralshüter des „göttlichen Rechts“ haben wieder einmal ihre Positionen behauptet: „Roma locuta – causa finita“ („Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt“)!

Die Initiatorinnen von Maria 2.0 aus der Kirche ausgetreten! Sie glauben nicht mehr daran, dass die Kirche die Weiheämter für Frauen öffnet. Und sie geben sich nicht damit zufrieden, dass die Kirche ein paar Dezernentinnen-Posten für Frauen bereitstellt (immerhin!).

Die ökumenische Gastfreundschaft? Von Rom abgelehnt! Begründung: zu viele Fragen offen! Wie lange eigentlich schon und wie lange noch? Was tut Rom dafür, dass offene Fragen endlich eine Antwort finden? Zugegeben, es kann und muss sie nicht alleine finden! Aber wo sind die römische initiativen?  

Der quälend lange Prozess der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals!

Da ist wenig von österlichem Aufbruch zu spüren!

Da sind viele von uns wie Thomas: „Bevor wir keine Veränderung sehen, glauben wir nicht!“ Wer kann das verdenken? Da wäre es schon schön, wenn einer hereinkäme, wie Jesus damals, der zu Thomas sagt: „Streck deine Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Kleine, aber glaubwürdige Zeichen für eine bewegliche, österlich bewegte Kirche, sie wären so wichtig!

Ein (vielleicht für manche schwacher) Trost: Wir müssen nicht an die Kirche glauben! Das fordert auch nicht das Glaubensbekenntnis. Wir müssen nur glauben, dass es so etwas wie Kirche geben kann und geben muss, mit all ihren Grenzen und Schwächen.

Da halte ich es mit Heinrich Böll: „Unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich, und hin und wieder gibt es sie: Christen; und wo einer auftritt, gerät die Welt in Erstaunen. 800 Millionen Menschen auf dieser Welt haben die Möglichkeit, die Welt in Erstaunen zu setzen. Vielleicht machen einige von dieser Möglichkeit Gebrauch. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen. […] Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass 800 Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern könnten. Und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte. Ich glaube, dass eine Welt ohne Christus selbst die Atheisten zu Adventisten machen würde.“

Die Kirche ist nicht der Grund unseres Osterglaubens! Der Grund ist der, der ganz unvermutet durch die Türe kommt und uns zeigt, dass er lebt. Und er gibt auch heute Zeichen! In vielen Christinnen und Christen, die überall auf der Welt, auch vor unserer Haustüre, Zeugnis von ihrer österlichen Hoffnung ablegen. Sie sind Kirche! Österliche Kirche! Die verfasste Kirche sollte darauf achten, dass sie ihnen genug Raum bietet - und Luft zum Atmen lässt! Mein Trost dabei: Der Auferstandene lässt sich nicht ausschließen – von nichts und niemand!

Rolf Glaser

Triduum paschalis – Kurzfassung des Lebens

Manger Ruben kl 300x200Liebe Leserinnen und Leser,

endlich wieder Ostern feiern. Auch wenn es nur ein Jahr war, in dem wir Ostern nicht mit Gottesdiensten voller Begegnungen und Austausch feiern konnten, war es doch eine Erleichterung, zu hören, dass wir dieses Jahr wieder Gottesdienste an Ostern feiern können. Auch wenn bei weitem nicht das möglich war, wie wir gewohnt sind und lieben gelernt haben, waren es dennoch schöne und begeisternde Tage.

Gründonnerstag mit der Einsetzung der Eucharistie, die wir seit 2000 Jahren jeden Sonntag wieder begehen und empfangen. Mit Jesus in den Garten Getsemani gehen und in der Nacht die eigene Verzweiflung und die Angst vor Gott bringen konnten.

Die Angst, die an Karfreitag zur Gewissheit wird, indem wir Jesus an seinem letzten Tag begleiten, miterleben, wie er verleugnet, verurteilt, verspottet, verhöhnt, gedemütigt und schließlich gekreuzigt wird. Die Gewissheit, miterleben zu müssen, dass Jesus den letzten Atem aushaucht und stirbt. Die Trauer, der wir bei der Grablegung Raum geben und seinen Ausdruck findet im übermenschlich schweren Stein, der vor das Grab gerollt wird.

Die Grabesruhe von Karsamstag, an dem wir das leere Kreuz und das verschlossene Grab wahrnehmen. Das Gefühl, den Menschen verloren zu haben, der uns so große Hoffnung geschenkt hat. Aushalten zu müssen, dass wir – heute – zwar wissen, was kommt, aber die Zeit füllen müssen, bis wir wieder vor Freude jubeln und lachen können.

Und dann die Freude der Osternacht, die Freude der Auferstehung, dem Wunder, dass sich erfüllt, was verheißen war. Das Leben, das neu beginnt und Kreise zieht in unser Leben hinein.

All das haben wir in den letzten Tagen erlebet. So komprimiert kann man Leben wohl kaum anders wahrnehmen. Jegliches Gefühl, dass wir als Menschen kennen fokussiert sich in den Tagen, die wir jedes Jahr wieder erleben und miterleben dürfen.

In diesem Jahr vielleicht mehr als sonst, weil wir es letztes Jahr nicht miterleben konnten. Erst durch den Mangel kann die Fülle des Lebens ans Tageslicht des Ostermorgens dringen.

Frohe und gesegnete Ostern! Halleluja, Jesus lebt.

Rolf Mueller portrait 2

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

der fünfte Fastensonntag ist auch der Misereorsonntag. Ich finde: Gerade in Zeiten, in denen wegen der Corona – Lage viele Menschen nicht unsere Gottesdienste besuchen können, ist es wichtig, auf die Misereoraktion aufmerksam zu machen. „Es geht! Anders“ – das ist das sehr gelungene Leitwort der Aktion in diesem Jahr.

Dieses Leitwort hat zwei Dimensionen für mich. Da ist zum einen eine ganz persönliche Dimension: Es ruft mich auf, meinen Lebensstil zu hinterfragen: Wie kann ich nachhaltig und gut leben? Was bedeutet ein Lebensstil für mich, der Gerechtigkeit und Veränderung im Blick hat? Ich weiß doch: Große Veränderungen beginnen bei mir ganz persönlich. Misereor hat dazu (www.misereor.de) ganz praktische Handlungsempfehlungen für den Alltag an die Hand gegeben, die einen anderen Lebensstil möglich machen. Pfarrer Glaser hat davon in seinem Wochenwort zu Beginn der Fastenzeit berichtet.  Schauen Sie doch einmal rein!

Die andere Dimension ist für mich eine Politische: Die Coronakrise hat Konflikte und strukturelle Ungerechtigkeit sehr deutlich gemacht. Papst Franziskus hat das in seiner bewegenden Predigt bei seinem Segen „urbi et orbi“ aus Anlass der Corona – Pandemie im letzten März auf den Punkt gebracht: „In unserer Welt, die du (Gott) noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

Das Wort „Es geht! Anders!“ rüttelt auf! Es ruft mich auf, nicht mehr weg zu sehen. Es motiviert mich zu überlegen, wie und mit wem zusammen ich meine Stimme gegen die zunehmende wirtschaftliche Ausbeutung und ethnische Unterdrückung dieser Menschen meine Stimme erheben kann.

Die Misereoraktion verbindet diese beiden Dimensionen, meine ganz persönliche und auch die Politische.

Und das Leitwort „Es geht! Anders!“ spricht dazu noch von einer tiefen Hoffnung: Gott hat es – und genau davon werden die letzten beiden Wochen der Fastenzeit erzählen – anders gemacht. Er hat nicht durch Gewalt und die Sprache der Macht durchgegriffen. Vielmehr hat er in Jesus Christus mit den Menschen mitgelitten und durch die Auferstehung Jesu klargemacht: Das Leben wird am Ende stärker sein als die vernichtenden Mächte des Todes.

Beim Misereor – Sonntag geht es um mehr als um eine Spendensammlung, so wichtig diese auch ist. Es geht um eine Mahnung, unseren Lebensstil zu überdenken und uns für eine andere Welt einzusetzen. Das geht!

Rolf Müller

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 Von Ralf Albensoeder

 

 

 

 

lgbtDie letzte Zeit hat mich die Wut gepackt. Die Kirche soll dem Vorbild Jesu den Menschen nah sein und dann das:

Es hat wieder den Eindruck „Roma loquta, causa finita“, Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt, als die Antwort auf die Frage, ob Segnungen gleichgeschlechtlicher Beziehungen möglich sei, ein „NEIN“ war.

Gott sei Dank ist die Sache nicht erledigt!
Dankbar lese ich Äußerungen wie die von unserem Bischof Georg: "Ein Dokument, das sich in seiner Argumentation so eklatant einem Erkenntnisfortschritt theologischer und humanwissenschaftlicher Art verschließt, wird dazu führen, dass die pastorale Praxis darüber hinweggehen wird".

https://bistumlimburg.de/beitrag/viele-werden-durch-kirche-verletzt/

Über Jahrhunderte entwickelte sich erst ein Verständnis von Partnerschaft und Sexualität und muss sich weiterentwickeln, da Wissenschaft und das das Leben uns viele neue Erkenntnisse bringt, an die vor hundert oder fünfzig Jahren niemand gedacht hat.

Deshalb ist der „synodale Weg“ in Deutschland so wichtig. Bei allem Wissen darum, dass bei weitem nicht alle Teilkirchen der Welt so denken – man kann um der Menschen Willen nicht ewig warten.

Deshalb gibt es auch so viele Reaktionen in Deutschland, von der Regenbogenfahne der LGBT Bewegung vor Kirchen bis zu öffentlichen Widerspruch: 200 Theologen haben sich ziemlich eindeutig für Segnungsfeiern ausgesprochen - 2000 Seelsorger*innen habe erklärt, dass sie segnen werden und es gibt viele andere Reaktionen, die zeigen, dass viele Menschen unsere Kirche bei manchen Fragen nicht mehr Rom folgen wollen, sondern Gespräche und Veränderung fordern.

Stellungnahmen verschiedener Gremien des Bistums können Sie hier lesen

https://bistumlimburg.de/beitrag/reaktionen-auf-rom/

In dem großen Feld, dass auch im synodalen Weg aufgegriffen wird, gehört auch im Weiteren, die prinzipielle Frage nach Segnung für die, die nach geltendem Kirchenrecht nicht gesegnet werden dürften, z.B.  wenn wiederverheiratete Geschiedene eine neue Liebensbeziehung gefunden haben und um den Segen Gottes bitten.

Dann lese ich im Petrusbrief: Wir sollten segnen um Segen zu erlangen 1 (Petr. 3.8) und denke daran: Wo die Liebe wohnt, da wohnt Gott. Und wir sollen und dürfen nicht segnen?

Oscar Romero 2Am vergangenen Mittwoch gedacht die Kirche des Heiligen Oscar Romero, dem Erzbischof von El Salvador. An diesem Tag vor 41 Jahren wurde er von der Mititärdiktatur während der Predigt erschossen. Ein Million Menschen waren bei der der Beisetzung damals am Palmsonntag gekommen, um ihn als Kämpfer für Gerechtigkeit und Reformen zu ehren. Von Romero stammen diese weisen Worte:

"Wenn viele Menschen sich bereits von der Kirche entfernt haben, dann ist das darauf zurückzuführen, dass die Kirche sich zu weit von der Menschheit entfernt hat. Eine Kirche aber, die die Erfahrungen der Menschen als ihre eigenen verspürt, die den Schmerz, die Hoffnung, die Angst aller, die sich freuen oder leiden, am eigenen Leib verspürt, diese Kirche wird zum gegenwärtigen Christus."

Aktueller denn je!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Kar- und Osterzeit.

Bild: Oscar Romero aus. Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon.

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von Monika Stanussek

 

 

 

Jedes Jahr sind die ersten Märztage sehr „Frauen geprägt“: am Montag dieser Woche war der Internationale Frauentag, am Freitag davor der Weltgebetstag, an dem in diesem Jahr die Liturgie von einer Frauengruppe aus Vanuatu gestaltet wurde. Beide Tage werden in vielen Ländern gefeiert. Sie rücken die mehr als 50 % der Weltbevölkerung in den Blick, die nach wie vor nicht mit gleichen Rechten, gleichen Chancen, gleichen Einkommen, gleichen Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten … und gleichen Rechten in ihrer jeweiligen Religion ausgestattet sind.

Auch in Deutschland: 18 % verdienen Frauen durchschnittlich weniger als Männer, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten werden erschwert (siehe Überschrift und Artikel der Frankfurter Rundschau von heute, 13.03. „Frauen sind außen vor, Deutsche Bank setzt vor allem auf Männer“), Frauen leisten etwa doppelt so viel Familienarbeit wie Männer, jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder früheren Partner getötet …

In den Ländern der südlichen Halbkugel ist die Ungleichheit noch sehr viel gravierender: Frauen leisten weltweit nahezu die Hälfte der landwirtschaftlichen Arbeit, in armen Ländern bis zu 70 %, doch weniger als 20 % der landwirtschaftlichen Fläche sind im Besitz von Frauen. Frauen haben weniger Lebenschancen: in vielen Ländern werden weibliche Föten abgetrieben, Mädchen werden schlechter ernährt, haben weniger Bildungsmöglichkeiten, sind oft nicht erbberechtigt, Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. (siehe Misereor-Kalender vom 11.03.2021)

Die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel! Die Ungleichheit verhindert Entwicklung.

In unseren Glauben an die frohe Botschaft vom Gott der Befreiung gehört zentral der Einsatz für Gerechtigkeit, Menschenwürde und somit auch für Gleichberechtigung. Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema der Propheten des 1. Testaments, wie z.B. Jesaja 58, 6: Ist das nicht ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen?

Jesus hatte eine befreiende Praxis in seinem Umgang mit Menschen, gerade auch mit Frauen, anders als damals üblich, er war zugewandt und begegnete ihnen auf Augenhöhe. Sein Leben ist Maßstab und wiegt mehr als Traditionen. In seiner Nachfolge braucht es den Einsatz von uns Christinnen und Christen für Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschwürde weltweit. Und auch das beharrliche Eintreten für Veränderungen in unserer Kirche!

Auf diesem Weg Mut machende Gedanken von Dorothee Sölle:

„Wir haben den längeren Atem.
Wir sind unterwegs in größerer Hoffnung
zu uns gehören die Empfindsamen und Unruhigen
und die nicht verbittern in traurigen Erfahrungen
und die hier bleiben
nicht weggehen
wohin die Sonne untergeht
noch wegtreten nach innen
die aber erleben wollen
die menschliche Gemeinschaft
wo aufstrahlt das Licht
bei uns hat schon mal einer
alle geladen zum Fest.“