Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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Verklärung - Verwandlung - Veränderung

Juraj Sabados

Am Donnerstag 6. August feiert die Kirche das Fest der Verklärung des Herrn. Zu diesem Fest möchte ich ein paar Gedanken mit Ihnen teilen.

Evangelium: Mt 17,1-9

Nirgendwo ist Gott so nahe, ja leibhaftig gegenwärtig wie in Jesus. Jesus führt die Jünger auf den hohen Berg. Sie erleben auf dem Berg das entscheidende Ereignis: Sie sehen in Jesus die Herrlichkeit Gottes. In ihm ist Gott gegenwärtig. In Jesus den Erwählten Gottes zu sehen, in seinem Wort Gottes Wort zu hören – das ist die neue Herausforderung, die gerade im Blick auf Kreuz und Auferweckung bestehen bleibt. Durch das Hören sollen die Menschen zu Jesus als dem personalen Ort Gottes in dieser Welt finden und das Leben empfangen.

Was die Theologin Ida Lamp zu diesem Fest schreibt, hat mich sehr angesprochen und bringt ein bisschen Leichtigkeit:

Wenn ich schlechte Laune habe, wenn mir ein Tag grau ist, wenn ich mir wünsche, jemand anderer zu sein, gehe ich zum Friseur. Äußere, äußerliche Verwandlungen? Das Sprichwort sagt: „Kleider machen Leute.“ Die fesche neue Frisur lässt mich anders auftreten. Ich fühle mich schön. Ich bin gleich etwas fröhlicher und wirke selbstbewusster, wenn ich frisch vom Friseur komme …

Auch die Verwandlung Jesu, die Verklärung oder griechisch: seine Metamorphose, von der die Jünger erzählen, ist zunächst etwas an der Oberfläche Sichtbares: anderes Gesicht, weißes Gewand.

Hinter dieser Veränderung steht, dass mit ihr etwas vom Wesen Jesu sichtbar wird, was den Freunden sonst anscheinend entgangen ist. Okay, Jesus macht das nicht selbst: Er wird verwandelt.

Ich will diese Erfahrung am Berg und die theologische Botschaft vom Offenbarwerden Jesu als Gottes geliebter Sohn und Messias nicht schmälern. Aber irgendwie gefällt es mir, dass es eine Alltagsverbindung zu mir und einem vergleichsweise banalen Friseurbesuch gibt. Ich brauche da ja auch die andere, die Friseurin, die durch ihr Tun etwas von mir offenbar werden lässt, was sonst manchmal nicht zu sehen ist. – Braucht es nicht für uns alle solche Momente, in denen für uns und noch mehr für andere etwas von uns sichtbar wird, was eben nicht immer zu sehen ist.

Die Metamorphose, das ist mir klar, ist keineswegs eine Metanoia; zu gut Deutsch: eine Wandlung im Sinne einer Umkehr. Aber vielleicht sind solche Veränderungen manchmal sogar der Beginn davon. Ich werde achtsamer dafür, dass ich Gottes geliebte Tochter bin – und dass man das auch sehen darf.

 

Weiterhin eine schöne Ferien- und Urlaubszeit.

Juraj Sabados,  Pfarrer der slowakischen Gemeinde

 

Thomas SchmidtWochenwort für den 26.7.2020, Thomas Schmidt, Gallus

 

 

 

Charles de Foucauld: Universelle Geschwisterlichkeit

Vor wenigen Wochen war aus Rom zu hören, dass Charles de Foucauld (1876-1916), ein Franzose, der unter den nordafrikanischen, muslimischen Tuareg gelebt hat, heiliggesprochen wird. Er lebte unter ihnen ohne sie zum Christentum bekehren zu können und zu wollen. Er wollte durch reines Mitleben, durch gezeigte Güte, Gastfreundschaft und Dienstbereitschaft dem Evangelium ein Gesicht geben. Er tat das so sehr, dass die Tuareg seine Behausung eine „Bruderschaft“ (fraternité) und ihn selbst als den „Bruder aller“ (frère universel) bezeichneten.
Dom Edson Damian, der Bischof von São Gabriel da Cachoeira in Brasilien, der uns im letzten Jahr anlässlich der Amazoniensynode besucht hat, gehört der geistlichen Familie Charles de Foucauld an. In einem Buch bezeichnet er den Glauben Foucaulds als eine „Spiritualität für unsere Zeit“.
Gerade die Coronapandemie zeigt uns, dass das Denken in nationalen, kulturellen, ethnischen, religiösen oder sozialen Grenzen nicht mehr greift. Das Virus ist überall, es ist universell und kennt keine Grenzen. Das gilt auch für die Klimakrise und für eine Reihe anderer Fragen, die nur im Weltmaßstab zu bewältigen sind.
Charles de Foucauld hat schon vor 100 Jahren eine Spiritualität gelebt, die uns helfen kann, als glaubende Menschen uns den Krisen von heute zu stellen. Ich nenne sie die „Haltung universeller Geschwisterlichkeit“. Sie setzt auf Respekt voreinander, auf gleichberechtigten Dialog, auf Dienstbereitschaft, Gastfreundschaft, Solidarität und eine besondere Sorge für die am meisten Verletzlichsten, was heute alle Lebewesen einschließt.
„Wer ist mein Nächster?“ wird Jesus gefragt. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird deutlich: Die ist meine Nächste, der ist mein Nächster, die und den ich mir zur Nächsten, zum Nächsten mache. Das können im Geiste Charles de Foucauld potentiell alle sein: nah und fern, geliebt und ungeliebt, mir ähnlich oder sehr anders als ich selbst.
Als Schwestern und Brüder aller Menschen zu leben und wahrgenommen zu werden wäre sicher ein Zeugnis von Christinnen und Christen, das wirken würde. Vielleicht kann uns die anstehende Heiligsprechung dazu einen Impuls geben.

Thomas Schmidt

 

Verena NitzlingLiebe Leserinnen, liebe Leser,
wie geht es Ihnen? Was bewegt Sie in diesen Tagen? Was erfreut sie? Was bereitet ihnen Sorge? Fühlen Sie ein bisschen Sommerferien-Feeling? Ich wünsche Ihnen mit diesen Zeilen einen guten Start in die neue Woche. Eine neue Woche wartet auf uns, 7 Tage, 168 Stunden, 10080 Minuten und 604800 Sekunden werden uns geschenkt. Wie gehen wir mit dieser geschenkten Zeit um? Alles nur Druck, Verpflichtung, Stress und Chaos? Nehmen Sie sich im Alltagsstress auch mal Zeit für sich selbst? Eine kleine Auszeit im Garten, auf dem Balkon, an der Nidda, im Schwimmbad oder vielleicht auch einfach auf der Couch? Eine Tasse Kaffee, ein gutes Buch, eine Zeitschrift, hoffentlich wärmende Sonnenstrahlen und blauen Himmel. Zeit, um mit Freunden zu telefonieren, dem Hobby nachgehen zu können, Zeit für die Partnerschaft, Zeit für die Familie, Zeit für die Beziehung mit Gott und Zeit für sich selbst. Einfach mal nur da-sein, den eigenen Atem spüren, Zeit zum Durchatmen, den Gedanken und Gefühlen nachgehen und diese sortieren, nachspüren von Begegnungen und Gesprächen und Kraft tanken für all das, was das Leben für uns bereit hält. Ich persönlich bin viel draußen in der Natur unterwegs, kann beim Schwimmen abschalten und erfreue mich am strahlenden Sonnenschein. Dieser Sommer ist definitiv anders. Von einigen Familien in der Gemeinde weiß ich, dass sie bereits in den Urlaub aufgebrochen sind oder dies in den nächsten Tagen ansteht. Wir planen gerade Ferienspiele für die Kinder unserer Pfarrgemeinde, unter Coronsbedingungen eine echte Herausforderung, die viel Kreativität freisetzt. Vieles ist in diesen Wochen anders. Und das Andere macht die Sache spannend, setzt Energien, Ideen, Kreativität frei. Ich lade Sie ein, ihren Sommer mal anders zu gestalten und zu erleben. Ich freue mich über Ihre Berichte. Neues ausprobieren, etwas wagen, alles hat seine Zeit, so heißt es schon im Buch Kohelet. Nehmen Sie die geschenkte Zeit und gestalten Sie diese für sich. Gute Erfahrungen und eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen Verena Nitzling

Stefan Hofer

 

 

 

 

 

Diese Woche gab es einen außergewöhnlichen Todesfall. In den USA wurde ein Mörder ermordet. Und das, obwohl die Angehörigen der Opfer dagegen waren. Gleichzeitig kam die Meldung, dass mehrere andere Staaten die Todesstrafe nicht mehr vollstrecken, wie schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges auch bei uns oder überhaupt in der EU. Denn auch der Staat soll nicht morden, vor allem, wenn er sich christlichen Werten verpflichtet sieht. Das sagt auch die katholische Lehre und mit ihr Papst Franziskus.
Lange Zeit war das Christentum eine Untergrundreligion. Vor allem im römischen Reich wurden die AnhängerInnen verfolgt, gefoltert und getötet. Kurz nach 300 wurde Armenien der erste christliche Staat und danach auch das römische Reich. Das staatliche Christentum verfolgte nun auch seine Gegner. So auch Bischof Priscillian von Avila. Er war der erste „Häretiker“ des Christentums, der wegen Ketzerei hingerichtet wurde. Schriften Priscillians wurden verbrannt trotz Protesten des heiligen Martins, dem damaligen Bischof von Tours. Priscillian verkündete, dass die Kirche durch den Heiligen Geist erneuert werden sollte, denn Jesus hätte die Sklaverei abgeschafft und die Gleichstellung von Männern und Frauen geboten. Deshalb nahmen Priscillian und seine Anhänger Frauen gleichberechtigt in ihre Gemeinschaft auf. Das Studium der Heiligen Schrift war verbindlich. Diese „häretischen“ Gedanken haben sich erst in den letzten zwei Jahrhunderten im Christentum verbreitet, aber nicht überall durchgesetzt. Darüber streiten wir teilweise heute noch in der römisch-katholischen Kirche und auch in anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Glücklicherweise sind wir uns wenigstens einig, dass diese Art der Lehre nicht mehr durch den Tod bestraft wird.
Von Priscillan können wir lernen auf Jesus Christus zu schauen und seine Einstellungen gegenüber diskriminierten Gruppen ernst zu nehmen.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.

Stefan Hofer

 

Rolf Glaser 450 300

 

 

 

 

 

 

 

 

Urlaubsreif

„Mallorca. Die Geisterinsel: Was wird aus dem Lieblingsziel der Deutschen?“ so titelt heute der Spiegel. Rechtzeitig zu Beginn der Haupturlaubszeit, der Sommerferien!

Die Urlaubszeit, Krise in der Krise. Viele sind urlaubsreif! Die Minderheit fährt unverdrossen ins Ausland, nach Österreich, nach Spanien, nach Italien, nach Griechenland, nach Kroatien. Es sei ihnen gegönnt! Die südlichen Länder, die es härter getroffen hat als Deutschland,  brauchen dringend die Devisen, die der Tourismus einbringt. Hoffen wir, dass kein neues „Ischgl“ entsteht!

Ich selbst habe mich entschlossen, in diesem Sommer nicht ins Ausland zu  fahren. Es ist doch klar: möglich wäre es nur mit vielen Einschränkungen. Und wie die gesundheitliche Versorgung im Fall der Fälle aussieht – zumal für einen Touristen - ist auch unsicher.

Die Mehrheit der Deutschen bleibt im Land. Wenn sie im Urlaub wegfahren, dann Nord- oder Ostsee, Berge, Städtereisen, Bauernhof. Und da gibt es viel zu entdecken. Ich selbst wundere mich immer wieder, wie viele Gegenden mit all ihren Kleinoden und Sehenswürdigkeiten ich in Deutschland gar nicht kenne. Aber auch solche Urlaube kosten Geld! Oft gar nicht so wenig!

Nicht wenige können sich jedoch gar keinen Urlaub leisten. Sie sind von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Einkommenseinbußen oder Verdienstausfall betroffen. Die ökumenische Initiative „Urlaub ohne Koffer“ organisiert Jahr für Jahr erschwingliche Urlaubsunternehmungen für Menschen, die sich eigentlich keinen Urlaub leisten können, mit Zielen in der Nähe, mit Tagesfahrten und ortsnahen Unternehmungen.

Sie selber können auf diese Weise Ihren „Urlaub ohne Koffer“ planen. Es gibt zahlreiche Wanderrouten in der näheren Umgebung (Bonifatius-Route, Elisabethpfad, Lutherweg, Jakobswege, etc.). Die „Weise Flotte“ bringt einem zu Zielen mainauf- und mainabwärts, Städtereisen, Ausflüge in die angrenzenden Mittelgebirge, Fahrradtouren, Wanderung im Stadtwald  oder einfach Urlaub im heimischen Garten.

Dabei geht es um Abschalten, um  Abwechslung, einfach darum, zur Ruhe zu kommen. Dabei ist nicht zu unterschätzen, dass auch dies viele Menschen nicht erreichen. Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Sie brauchen „action“! Ihr ganzes Leben ist eigentlich nur „action“.

Im heutigen Sonntagsevangelium sagt Jesus: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ (Mt 11, 28) „Ruhe“ meint in der Bibel nicht einfach Nichtstun, so sehr auch das sein Recht hat. „Ruhe“ erinnert vielmehr an die Ruhe Gottes am siebten Schöpfungstag, an dem er mit Wohlgefallen auf sein Werk schaut.- Wer in diese Ruhe eintauchen kann, der findet zur „tiefen Überzeugung, dass alles gut wird...Um Ruhe zu haben, müssen wir darauf setzen können, dass ein vollmächtiges Jawort die Schöpfung  und unsere Geschichte durchwaltet und dass darin unser eigenes Leben mitgetragen ist.“ (Dieter Emeis)

In diesem Sinne, wo auch immer: Erholen Sie sich gut!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser