Katholische Pfarrgemeinde

in Frankfurt - Nied "Mit Gott für die Welt"

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von Ralf Albensoeder

 

 

 

Es ist Samstagnachmittag, die Sonne scheint, hier in Frankfurt, wo ich jetzt das Wochenwort schreibe und in Ur der Ort, in dem die drei großen Religionen, Judentum, Christentum und Islam ihren Ursprung haben, wo Abraham seine Wohnstätte hatte, bevor er aufbrach im Vertrauen auf die Verheißung Gottes.
Auch wenn es nur die Aufzeichnung von heute Vormittag von Vatican media war: Es war und ist beeindruckend z.B. das Zeugnis von zwei jungen Menschen Dawud und Hassan. Der Christ und der Muslim eröffneten zusammen ein Geschäft, um sich unter anderem ihr Studium finanzieren zu können - obwohl sie nicht derselben Religion angehören.
Angehörige der verschiedensten Religionen beteten um Frieden und Toleranz an diesem Ort.
Wenn ich eben den Kommentar richtig verstanden habe, soll dieser 6. März im Irak zum Gedenktag für Toleranz erhoben werden
Jetzt beginnt gerade die Liveübertragung der Messe aus Bagdad im Chaldäischen Ritus, an dem auch erkennbar Muslime teilnehmen.
Bilder wie aus einem Traum, dass Menschen in Frieden und Eintracht zusammenleben und dann fällt mit der Psalm 133 in:
„Siehe, wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder und Schwestern miteinander in Eintracht wohnen. Es ist wie köstliches Salböl auf dem Haupt, das hinabfließt auf den Bart, den Bart des Aaron, das hinabfließt auf den Saum seines Gewandes.“
Ein Traum? Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum, wenn aber viele gemeinsam träumen ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.

Unser Papst und viele Menschen heute im Irak wollen eine neue Wirklichkeit schaffen. Wir können es jeden Tag ihnen gleichtun. Auch hier in Frankfurt.

Dann scheint die Sonne nicht nur heute nachmittag.

 

Papst                                                                                                                               Quelle Vativan.va

Gebet der Kinder Abrahams (von Papst Franziskus)

Allmächtiger Gott, unser Schöpfer, du liebst die Menschheitsfamilie und auch sonst alles, was deine Hände vollbracht haben. Wir, die Söhne und Töchter Abrahams, die dem Judentum, dem Christentum und dem Islam angehören, danken dir zusammen mit anderen Gläubigen und allen Menschen guten Willens, dass du uns Abraham, einen berühmten Sohn dieses edlen und geschätzten Landes, als gemeinsamen Vater im Glauben geschenkt hast.

Wir danken dir für das Beispiel dieses gläubigen Mannes, der dir bis zum Äußersten gehorchte und seine Familie, seinen Stamm und sein Land verließ, um in ein Land zu gehen, das er nicht kannte.

Wir danken dir auch für das Beispiel an Mut, Durchhaltevermögen, Seelenstärke, Großzügigkeit und Gastfreundschaft, das uns unser gemeinsamer Vater im Glauben gegeben hat.

Wir danken dir insbesondere für seinen heroischen Glauben, den er bewies, als er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um deinem Befehl zu gehorchen. Wir wissen, dass dies eine äußerst schwierige Prüfung war, aus der er dennoch als Sieger hervorging, weil er dir ohne Vorbehalt traute, der du barmherzig bist und immer neue Wege für einen Neubeginn eröffnest.

„Du hast Abraham zu einem Segen für alle Völker gemacht“

Wir danken dir, denn dadurch, dass du unseren Vater Abraham gesegnet hast, hast du ihn zu einem Segen für alle Völker gemacht.

Wir bitten dich, du Gott unseres Vaters Abraham und unser Gott: Schenke uns einen starken Glauben, der sich für das Gute einsetzt, einen Glauben, der unsere Herzen für dich und für alle unsere Brüder und Schwestern öffnet, und eine Hoffnung, die sich nicht unterdrücken lässt und überall die Treue deiner Verheißungen zu erkennen vermag.
Mache jeden von uns zu einem Zeugen deiner liebenden Sorge für alle, besonders für die Flüchtlinge und Vertriebenen, die Witwen und Waisen, die Armen und Kranken.

„Schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben“

Öffne unsere Herzen, schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben und mache uns zu Werkzeugen der Versöhnung und des Friedens, zu Erbauern einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft.
Nimm alle Verstorbenen, besonders die Opfer von Gewalt und Krieg, auf in dein Reich des Lichtes und des Friedens. Steh den Verantwortlichen darin bei, die Entführten zu suchen und zu finden und vor allem Frauen und Kinder zu schützen.

Hilf uns für den Planeten Sorge zu tragen, das gemeinsame Haus, das du uns allen in deiner Güte und Großzügigkeit gegeben hast.

Komm uns beim Wiederaufbau dieses Landes zu Hilfe und gib uns die Kraft, die wir brauchen, um denen zu helfen, die ihre Heimat und ihr Land verlassen mussten, so dass sie sicher und in Würde zurückzukehren und ein neues Leben in Frieden und Wohlstand beginnen können. Amen.

Die Rede des Heiligen Vaters bei der interreligiösen Begegnung in Ur können Sie hier nachlesen

 

Thomas Schmidtvon Thomas Schmidt

 

 

 

 

Nach der Volkskirche: Kirche im Volk

„Die Volkskirche kommt nicht wieder“ sagt unser Bischof Georg Bätzing. Und er fügt hinzu: "Diese Sozialstruktur, in der Kirche-Sein, in der religiöse Sozialisation irgendwie in einem Automatismus verlief, ist vorbei.“
Hat er Recht? Vieles spricht dafür: Die Selbstverständlichkeit kirchlichen Lebens ist uns weitgehend abhandengekommen. Die Weitergabe des Glaubens an die nächsten Generationen scheint kaum noch zu gelingen. Corona beschleunigt diese Tendenzen.
Trotzdem leben Gemeinden. Und in ihnen gläubige Menschen. Und mit ihnen Engagement, Initiativen, Ideen, auch neue. Selbstverständlich ist aber nichts mehr.
Was sind die Alternativen? Der Bischof sagt: "Wir müssen ganz andere Wege gehen." Das ist ein schöner Satz, dem man zustimmt und der einen doch ratlos zurück lässt. Was heißt das?
Für mich ist wichtig, dass die Nachfolgerin der Volkskirche eine Kirche im Volk ist, mitten unter den Menschen, nicht abgesondert, in sich verschlossen und mit sich beschäftigt. Sondern mittendrin: kommunikativ, dialogfähig, dienend, ermutigend, suchend und fragend.
Es gibt kein Rezept für diese neue Etappe des Kirche-Seins, schon gar nicht ein einziges. Um weiter zu kommen, um eine neue Form von Kirche sich entwickeln zu lassen, braucht es eher eine Haltung, die Rilke in seinem schönen Gedicht „Über die Geduld“ beschreibt:

„Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein. (R.M. Rilke)

Die Fragen leben und sich so eines Tages in die Antworten hineinzuleben, sind das die „anderen Wege“, die der Bischof meint?

Pfarrer GlaserMan gönnt sich ja sonst nichts!

Am 17. Februar ist Aschermittwoch! Fastenzeit ist angesagt! Fasten! Verzichten! 7 Wochen lang!

Was, könnte manch eine Person denken, jetzt sollen wir noch mehr verzichten? Wir verzichten doch schon seit einem Jahr und wieder verschärft seit November: Verzicht auf Urlaub, Verzicht auf Besuche, Verzicht auf größere Feste, Verzicht auf Festivals und Konzerte, auf Kino, auf einen Besuch im Stadion, auf ein gepflegtes Bier oder einen duftenden Kaffee unter Freund*innen und nicht zu vergessen, auf einen Termin beim Friseur! Was sollen wir da jetzt noch weiter verzichten? Lasst uns die angenehmen Seiten des Lebens pflegen! Man gönnt sich ja sonst nichts!

Aber warum nimmt eine große Mehrheit der Bevölkerung solche Verzichte bereitwillig auf sich, auch wenn‘s schwerfällt? Damit es besser werden kann! Damit die Inzidenzwerte, die Reproduktionszahl, die Zahl der Corona-Toten sinken und wir zu einem unbeschwerten Leben zurückkehren oder ein solches neu gestalten können! Das Ziel gibt die Richtung vor.

Darum geht es auch in der Fastenzeit: Es soll besser werden. „Fastenzeit“ ist vielleicht für das, worum es geht, nicht das beste Wort. In Brasilien heißt diese Zeit „campanha de fraternidade” (frei übersetzt: “Kampagne der Geschwisterlichkeit”). Es geht um ein neues Verhältnis der Menschen untereinander. Und es geht, in den letzten Jahrzehnten verstärkt, um ein neues Verhältnis zur Schöpfung – damit es besser wird. “Es geht anders” heißt deshalb die diesjährige Fastenaktion von Misereor, womit das Hilfswerk an frühere Kampagnen anknüpft. Längst ist klar, das Eine-Welt-Arbeit und Bewahrung der Schöpfung ineinander greifen (müssen).

Unter dem Motto “man gönnt sich ja sonst nichts” hat das Netzwerk-Eine-Welt der Stadtkirche Frankfurt eine 10 Punkte-Challenge entwickelt, untestützt und ergänzt durch Vorschläge der Abteilung Weltkirche, die es uns als Einzelne oder in Gruppen (Pfarreien) erlaubt, hier unsere eigenen Akzente zu setzen, Akzente, die leicht umzusetzen sind! Akzente, mit denen wir eine win-win-Situation herstellen. Wir tun etwas für die anderen, für die Umwelt und gleichzeitig etwas für uns! Damit’s besser wird! 10 Punkte werden da genannt, auf die sich Einzelne selbst verpflichten können, z.B. mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen und so durch Bewegung etwas für die eigene Gesundheit und zugleich für die Umwelt tun. Sie finden diese 10 Punkte im Anhang! Machen Sie mit! Suchen Sie Ihre Punkte, bei denen Sie einsteigen wollen! “Man gönnt sich ja sonst nichts!” Gönnen wir uns ein neues Miteinander in der einen Welt!

Eine gute Fastenzeit!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

 

Brief an die Pfarrgemeinden auf den Link klicken

Nachhaltig leben im Bistum Limburg – Challenge 2021

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Verena NitzlingLiebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie gestern auch die wärmenden Sonnenstrahlen und den blauen Himmel genossen?
Da kommt beim Aufwachen früh morgens doch gleich Freude auf, oder?
Ich hoffe, Sie sind am Aschermittwoch gut in die Fastenzeit gestartet.
In den letzten Tagen, Wochen und Monaten habe ich viele Gespräche vor allem mit Familien geführt, die während der Zeit des Lockdowns an und über ihrer Grenze den täglichen Alltag bewältigen.
Einige von ihnen umtreiben neben dem täglichen Wahnsinn der Organisation von Home-Office, Home - Schooling, Home-Kindergarten auch existentielle Ängste und Sorgen, finanzielle Nöte, Sorge um den Arbeitsplatz oder sogar den Verlust dessen.
Da steht das Klagen berechtigterweise an erster Stelle.
Dennoch möchte ich Ihnen heute einen Perspektivwechsel ermöglichen – die Sonnenstrahlen und die damit verbundene Freude, jedenfalls in mir – setzen ein Zeichen gegen die Dunkelheit, den Frust und die Unsicherheit des Lockdowns.
In der Fastenzeit bereiten wir uns auf Ostern vor – das Fest der Freude, Hoffnung und des Lebens.
Das Bistum Limburg hat in dieser Fastenzeit eine Aktion ins Leben gerufen, die den Titel „good-news“ trägt. Unter www.good-news.bistumlimburg.de werden hoffnungsvolle, schöne und wunderbare Nachrichten aus dem Leben gesammelt.
Gerne möchte ich Sie dazu ermutigen und einladen, sich mit Ihrer ganz persönlichen hoffnungsvollen, freudigen, wunderbaren Nachricht an der Aktion zu beteiligen.
Klicken Sie einfach auf den Link und teilen Sie dort mit den Menschen Ihre schöne, freudige Nachricht.
Und wenn Sie das Gefühl haben, dass die Klage und die Not dem derzeit im Weg stehen, möchte ich Ihnen gerne https://klageraum.online/ vorstellen. Ein Ort, an dem alle kleinen und großen Nöte dieser Zeit ihren Platz und ihre Aufmerksamkeit finden – auch im Lockdown, auch in der Quarantäne und in der Isolation ist dieser Klageraum erreichbar.
Das Angebot ist als spirituelles Angebot zu verstehen, das Menschen Raum geben soll, sich und das, was sie bewegt, auszudrücken.
Klagen schafft Beziehung. Denn Klagen heißt: aussprechen, damit jemand hört!
Gemeinsam klagen schafft Solidarität. Denn gemeinsam klagen lässt spüren: Ich bin mit meiner Not nicht allein!
Klage ist Hoffnung!
Aus der Klage heraus kann ich dann die Hoffnung spüren, dass das Leben, auch im Lockdown viele schöne, freudige, wunderbare Augenblicke für mich bereithält

In diesem Sinne wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Fastenzeit.
Bleiben Sie gesund und von Gott behütet,
Ihre Verena Nitzling

Wochenwort 7.2.2021

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von Ruben Manger

 

 

Drei aktuelle Gedanken in 10 Versen

Das heutige Evangelium (Mk1,29-39) scheint auf den ersten Blick wieder eine der zahlreichen Heilungsgeschichten zu sein, die wir aus der Bibel und vor allem von Jesus kennen. Wer fällt uns da nicht alles ein; König Hiskia (2Kön 20,1-11), Tabita (Apg 9,36-42), der blinde Bartimäus (Mk 10,46-52) oder Lazarus (Joh 11,1-44).

Wenn man aber einen tieferen Blick auf die Geschichte erfährt man einiges über die Heilung hinaus.

Eine erste Erkenntnis ist, dass Simon (Petrus) eine Schwiegermutter hatte. Was bedeutet das? Nicht weniger, als das einer der engsten Vertrauten Jesu und einer seiner wesentlichsten Nachfolger (Stuhl Petri) verheiratet war. Diese Stelle wird in der Diskussion um das Zölibat immer wieder angeführt und macht eine biblische Herkunft des Zölibats eher schwierig.

Eine vielleicht noch aktuellere Erkenntnis ist, dass Jesus – nachdem er Menschen heilt – in die Stille geht, um zu beten. Er will mit seinem Vater sprechen. Ein Dankgebet oder vielleicht auch die Frage an ihn, warum es so viel Leid in der Welt gibt. Jesus geht in die Einsamkeit, um sich zu erholen. Nicht etwa, weil er es nötig hätte, sondern um den Menschen, die ihm nachfolgen ein Vorbild zu sein. Wenn ihr eine große, wichtige Leistung hinter euch gebracht habt, könnt ihr Gott danken, dass er euch unterstützt hat. Und ihr dürft euch erholen. Diese Aussicht können wir zurzeit gut gebrauchen. Es wird eine Zeit kommen, in der wir uns erholen können von all den Strapazen, die wir gerade auf uns nehmen, um Menschen zu schützen, um gemeinsam durch diese Krise zu gelangen. Wir alle ersehen diese Erholung.

Eine dritte Erkenntnis ist: Jesus geht fort. Er will auch an anderen Orten Heilung bringen. Er geht zu den Menschen. Er ist kein Guru, zu dem die Menschen pilgern sollen, sondern er zeigt die Initiative des Anfangs. Er denkt nicht nur an die Menschen in seiner nächsten Umgebung sondern geht auch über die eigene Umgebung hinaus.

Auch hierin will er Vorbild sein. Wir sollen auf andere Menschen schauen, die nicht in unseren Straßen, Stadtteilen, Städten und Ländern wohnen. Auch wenn es schwerfällt, haben andere Menschen denselben Anspruch auf Heil- und Heilung. Nur weil wir das Land sind, aus dem einer der Impfstoffe kommt, ist dieser nicht nur für uns gedacht.

Wie Christus jeden Menschen erreichen will, soll auch der Impfstoff allen Menschen zu Verfügung stehen. Wir brauchen also noch ein wenig Geduld, bis wir wieder ein geregeltes Leben genießen können und lernen es vielleicht neu schätzen.

Auf jeden Fall können wir darauf vertrauen, dass Gott uns begleitet und Zuversicht schenkt.